Kinetical & P.tah

Actuate

Duzz Down San

»Actuate« bedeutet, eine Maschine anzustarten. Mit dem dritten Longplayer – acht Stücke zwischen EP, Mixtape und Album – sollte im Fall von Kinetical & P.tah eigentlich mehr vom Durchstarten die Rede sein, doch die Rahmenbedingungen sind im dritten Jahr der Pandemie nicht unbedingt einfacher geworden. »Goddamn this week was a mess« beginnen Kinetical & P.tah und wollen nicht so recht in die Gänge kommen. Erfolg bedeutet allerdings durchzuhalten und das lohnt sich auch hier. Mit »Down« ist das Duo wieder in der Spur, sie rollen wie im Traum voran und wissen dabei genau, was sie ausblenden und was nicht: »Viele seh’n nur mehr die Dinge, die sie seh’n wollen / glauben sie sind links und wählen allen Ernstes Neos«. Das wird den beiden eher nicht passieren. »Signal« ist der frühe Höhepunkt der Veröffentlichung, die Mörderbassline von Burke & Shion aus Bristol ist für sich genommen schon ein Hit. Die eigentliche Überraschung kommt aber von Kinetical, der im Linzer Dialekt über sich hinauswächst: »Es is imma nu leiwand an 16er z’ schreib’n und daun step i zum Mirac in d’ Booth jo / nachher dann häng’ ma am Rooftop / und geh’n auf’n Tune ab«. Während man bei anderen Tracks manchmal das Gefühl hat, dass er auf Englisch mit dem Detailreichtum seines Partners in Crime nicht immer ganz mithält, ändert sich dieser Eindruck mit einem Mal. Kinetical singt die Hookline sogar und die düstere Melodie steht dem Duo ausgezeichnet. Aber auch die Clubs erschütternden Grime wie »Railjet« oder »On Point ft. Mo Cess & Chrisfader« schütteln die beiden scheinbar locker aus dem Ärmel. Dabei kommt auch das Humorige und Trixterhafte des Genres nicht zu kurz: »Gebe meinen Ängsten keine Chance / nein, gebe meinen Engsten einen aus / rede mich heraus / sehn’ mich nach Applaus / spreche übers Leben, aber kenn mich wenig aus.« Mit Mitte Dreißig zeichnen sich gewisse Brüche ab und so haben Kinetical & P.tah eigentlich keine Wahl als sich und ihr Tun laufend zu hinterfragen, wollen sie sich nicht verrennen: »Weil ich vorgab zu sein, was ich schon sehr lange überhaupt nicht mehr war«. Gelingt ihnen das? Nur zum Teil, denn gegen Ende der EP werden die Inhalte manchmal ein wenig teachy: »Da draußen schaut es aus, als wär’ es überall schon still / dann schrauben wir an Beats und tauschen Wissen aus und kill’n«. Wenn dann noch die Nöstlinger-Vergleiche ausgepackt werden, braucht es bisweilen ein Backup, um die Situation zu retten: »Kein Schmuck, nein, im Gegenteil / wenn ich flow’ hinterlass’ ich Sedimentgestein«. Für genügend Schotter ist also gesorgt, es bleibt grimey.