Kim Gordon »Play Me«
Kim Gordon

»Play Me«

Matador Records

Mit ihrem dritten Soloalbum legt die legendäre Bassistin, Frontfrau und Mitbegründerin der No-Wave-/Noise-Rock-Band Sonic Youth wieder ein zorniges, diesmal sehr rhythmusbetontes Top-Album vor. Kim Gordon vertritt, wie nur wenige, eine zeitgemäße Spielart des Art-Post-Punk, die des Pantheon würdig ist. Krautrock sowie trippige Electro-Beats (Trap/HipHop) stellen die vortreffliche motorische Basis des Gros der zwölf zumeist unter drei Minuten einrastenden Songs dar. Das Album wirkt, als durchlaufe es dissoziative Störungen eines zeitgenössischen Rock’n’Roll am Scheideweg: Gordons zynische kulturelle Diagnose fängt fragmentiert und bruchstückhaft getrennt Gefühle der Konfusion, Unrast und Spaltung in minimalistischer Avantgarde-Tradition ein. »I like it when you talk dirty tech to me (Yeah, yeah, yeah)«, »There’s a hole in my heart«, »Trees are weeping«, »Let’s pretend there’s an epilogue / Let the world burn«, »You wanna go to Mars, and then what?«, »Are you my white collar service worker?«, »male dominated«, »intersex«. Ambivalent auch der Titel des Albums »Play Me« und das dazugehörige Überwachungsvideo in der Shopping Mall. Kim Gordons konzeptionelle Kunst fordert Selbstermächtigung ein und drängt widerspenstig in die Hierarchie des ach so heiligen Rock-Kanons. Dabei schlägt sie kein Schnippchen zu viel, eine tolle knappe halbe Stunde reicht vollkommen aus, wozu Zeit vertrödeln? Kritik am gegenwärtigen U.S.-Billionär-Faschismus versteht sich von selbst und manifestiert sich ebenfalls als surreale Observation. Produziert wurde abermals von Justin Raisen (Sky Ferreira, Charli XCX, Yves Tumor). Mit der Interventionistin Kim Gordon lässt es sich nach wie vor originell aufbegehren und ein enges Vokalspektrum hat noch keinem Rockstar geschadet!

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Text
Walter Pontis

Veröffentlichung
13.03.2026

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