Muslimgauze

Kashmiri Queens

Muslimlim

Muslimgauze hat, zumindest für mich, plötzlich eine ungeahnte politische Relevanz erhalten. Wenn alle Welt eine kollektive Vorverurteilung der Attentäter auf das World Trade Center im Nahen Osten vornimmt, wäre doch ein wenig Solidarität mit der anderen Seite angesagt. Muslimgauze zeigt sich auch nach mehr als zwei Jahren mit ewigem Blick nach Palästina gewandt, in keinster Weise einer vereinnahmenden, sozusagen Gegen-PC zurechenbar. Wie schon so oft bei Bryn Jones sind die Stücke in Musik gefasste Geschichten des Orients, wie ein Europäer ihn sieht, der Zeit seines kurzen Lebens nichts anderes gemacht hat als Bücher über den Libanon zu wälzen und Musik zu machen. Die »Kashmiri Queens« aus dem großen Staalplaat-Archiv unveröffentlichter Tracks fügen sich da gut ein. Reduktion ist wieder einmal Programm, die harten Noises und Rhythms wird man indes vergeblich suchen. Muslimgauze orientiert sich an der arabischen Rhythmik, um weichfließende, langschwebende Klangteppiche zu knüpfen. Er setzt auf dieser zugänglichen CD auf Trance. Diesmal keine »Hisbollah-Disco«, sondern tanzende Derwische. Eindringlich schön (nicht nur das Cover), schön eindringlich.