John Turville

»Head First«

Whirlwind Recordings

Der britische Pianist John Turville vereint auf »Head First« ein hochdynamisches Quintett. Aber nicht nur. Im Laufe dieser CD werden von der vollen Quintett-Besetzung mit zwei Bläsern bis zum Duo zwischen Klavier und Julian Argüelles Saxofon viele verschiedene Strukturdichten erkundet. Ebenso kompositorisch: Während die erste Hälfte des Albums in einem recht engen und sehr konkreten Korsett steckt, ist vor allem im letzten Drittel eine deutliche Öffnung in jeder Hinsicht zu beobachten. Stücke wie der Opener »Fall Out« oder die darauffolgende Trio-Nummer »Almagro Nights« verfolgen konkrete Konzepte, auch innerhalb der Improvisationen, die vor allem rhythmischer Natur sind. Neben Turville am Klavier bilden Dave Whitford am Kontrabass und James Maddren am Schlagzeug die Rhythmusgruppe, die sich in der Umsetzung ebendieser Konzepte unbeugsam zeigt und einen fruchtbaren Nährboden für formgetreue, aber dennoch immer wieder ausufernde Soli von Saxofonist Julian Argüelles und Trompeter Robbie Robson aufbereiten. Die oft im dissonanten Verhältnis zueinander eingesetzten Bläser könnten schnell erschöpfend klingen, durch die wohl durchdachte Strukturierung der Tracklist wird ebendies verhindert. Auf das recht kantige »Seahorses« folgt »Interval Music«, im Zuge dessen Argüelles durch den Wechsel an das Sopransaxofon im Duo mit Turville eine auflockernde Klangfarbe in den Ablauf der Platte einbringt. Einige Tracks später folgt mit »Cancion 4« die erste Nicht-Turville-Komposition des Albums und mit dem darauf folgenden »Francisca« aus der Feder von Toninha Horta bricht die CD endgültig auf: Es handelt sich dabei um eine Trio-Performance, die in ihrer lockeren und unvoreingenommenen Herangehensweise im Kontext der bisherigen Stücke überrascht. Eine eindeutige Verneigung vor den Spielweisen von Keith Jarretts Standards Trio ist zu vernehmen, vor allem in der Melodieverliebtheit und nonchalanten Interaktion auf diesem Cut. Ein ähnlicher Moment ist auch schon etwas früher in der Titelliste zu vernehmen, nämlich auf dem Titelstück »Head First«, Turville gibt sich plötzlich jenseits seiner Rolle als Überwacher seiner Kompositionen einem gewitzten, gar humorvollen Klaviersolo hin, getragen von einem jubilierenden Groove. Insgesamt ist »Head First« in seiner klangfarbenprächtigen Schönheit doch ein strenges Werk, das von wohlersonnenen Auflockerungsmomenten profitiert und so über seine 61-minütige Länge hinweg stets aufs Neue zum Aufhorchen verleitet. Vom wiederholten Hören profitieren diese Stimmungsdifferenzen am allermeisten, werden doch die Unterschiede zwischen den einzelnen Episoden der Tracklist mit jedem Durchgang umso deutlicher.