Jewish Life in Vienna

Es ist wieder soweit. Seit 1991 wird die Jüdische Filmwoche in Wien veranstaltet und bietet Interessierten die Möglichkeit sich intensiv mit jüdischer Filmkultur auseinanderzusetzen. Lange war nicht klar, ob dieses einzigartige Filmfestival nach zweijähriger Pause heuer überhaupt stattfinden kann.

Allen Widrigkeiten zum Trotz wird die Jüdische Filmwoche nun am 18. November in der Urania mit dem neuen Daniel-Levy-Film »Alles auf Zucker« eröffnet.

Thematisch wird ein breites Feld bespielt. Um die fünfzig Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme werden heuer projiziert.

Einer der Schwerpunkte setzt sich mit dem Konflikt Israel/Palästina auseinander. Gezeigt wird unter anderem »Arnas Children«, welcher bereits bei der kürzlich stattfindenden Viennale gelaufen ist. »Sleeping With The Enemy« ist ein weiterer Beitrag in jener Reihe, der ein gemeinsam organisiertes Friedenscamp von Israelis und PalästinenserInnen zum Thema hat.  In »Behind Enemy Lines« treffen sich zwei der Teilnehmer von einst drei Jahre später wieder. »Waiting Walls« hingegen zieht Parallelen zwischen der Situation in Nordirland und dem Konflikt in der Heimat.

Der französische Regisseur Alexandre Arcady wird mit einem Tribute geehrt, von ihm werden drei Spielfilme während der jüdischen Filmwoche zu sehen sein. Und zu Ehren des 100. Geburtstags des Schriftstellers Isaac B. Singer werden unter anderem »Yentl« (wir erinnern uns hier an Barbara Streisand in ihrer campigen Genderbender-Variation) und der Zeichentrickfilm »Die Schelme von Schelm« gezeigt.

Interessant sind auch die kurzen Dokumentarfilme »Jewish Life in Bialystok«, »Jewish Life in Cracow« und »Jewish Life in Lwow«, welche allesamt das Leben in jüdischen Gemeinden im Polen von 1939 zeigen. Ein spannendes Stück Zeitgeschichte, welches zusammen mit »Dziga and his Brothers« projiziert wird. »Dziga and his Brothers« porträtiert im Übrigen das Leben dreier außergewöhnlicher Brüder, die allesamt als Dziga Vertov, Mikhail und Boris Kaufmann Kinogeschichte schreiben sollten. Cineasten aller Welt vereinigt euch!
In einem Österreich-Schwerpunkt werden zahlreiche hiesige Filmschaffende ihre Werke präsentieren. Dokumentarisch interessant ist vor allem die Produktion von Klub Zwei. »Things.Places.Years.« zeigt die Auswirkungen, die Shoah und Vertreibung auf nunmehr in London lebende Frauen haben, und wie diese über die Generationen hinweg weitergegeben werden.

Neben den Tributes und Themenschwerpunkten werden auch zahlreiche aktuelle internationale Spiel- und Dokumentarfilme, die jüdisches Filmschaffen abseits des Mainstreamkinos repräsentieren, das Programm bereichern. »Emporte-Moi« beispielsweise porträtiert die dreizehnjährige Hannah im Montreal der sechziger Jahre. Dort entdeckt sie nicht nur ihre Zuneigung zum Kino, sondern auch zur burschikosen Laura, welche sie ebendort kennen lernt.

Besonders hingewiesen sei auch auf das von Michaela Grill kuratierte Programm »Zoom In – Zoom Out«, welches aktuelle experimentelle Videoarbeiten aus Israel versammelt, die sich mit israelischer Identität im weitesten Sinne und den von Medien konstruierten Mythen auseinandersetzt.

Weitere Dokus und humorvolle Filme

Auch österreichische Filme werden vertreten sein: Hubert Canavals Dokumentarfilm »In der Fremde zu Haus« präsentiert das Leben von drei Österreichern, die vor dem Nationalsozialismus nach Mittelamerika, genauer nach Mexiko, geflüchtet sind. Und noch ein Film mit Lateinamerikabezug: Nurit Kedars Dokumentarfilm »Asesino« beleuchtet die Geschichte jener rund 30.000 Argentinier, die in der Zeit der Militärdiktatur (1976-1983) »verschwanden«.

Bei den heurigen jüdischen Filmwochen kommt aber auch der Humor nicht zu kurz: Es wird u.a. Simone de Vries Doku »Kinky Friedman – Proud To Be An Asshole From El Paso« laufen, in der sie prominente Fans des jüdischen Countrysängers Richard »Kinky« Friedman interviewt: Etwa Willie Nelson und Bill Clinton. Im kanadischen Dokumentarfilm »Schmelvis: Searching For The King’s Jewish Roots« machen sich ein Filmteam, ein Rabbiner und ein jüdisch-orthodoxen Elvis-Imitator mit dem Künstlernamen Schmelvis, auf die Suche nach den jüdischen Wurzeln von Elvis Presley. Auch werden drei Filme werden in jiddischer Sprache gezeigt, um das Komikerpaar Szymon Dzigan und Jisroel Szumacher zu ehren.

Die jüdische Filmwoche findet vom 19. 11. bis 2. 12. in den Kinos »Votiv« und »De France« statt. Zahlreiche Regisseure und Gäste werden ebenso anwesend sein, ein Besuch lohnt sich also allemal.

www.jfw.at