»It's Da Sound Of Da Police«

Wenn die Männer in Grün übergreifen … Die Soundpolitisierung geht in ihre nächste Runde, diesmal: Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Sabotage Communications veröffentlichen Mitte Juni eine neue HipHop-Compilation namens »Verdachtsmomente« (Subetage), die in Zusammenarbeit mit Amnesty International und anderen Hilfsorganisationen entstand und Polizeiübergriffe thematisiert.

Was besonders erfreut ist, dass es sich nicht wieder um die üblichen Verdächtigen handelt, die irgendwelche nebenbei entstandenen Tracks spendeten, sondern durchwegs weniger bekannten Acts der Vorzug gegeben wurde: Schwerpunkt war die Einbeziehung Jungendlicher der dritten Generation in Österreich lebender Ausländer und deren Sprache (wobei an Fremdsprachen nur Englisch und Französisch zu hören sind) zum einen, und die Erschließung von Acts aus den Bundesländern zum anderen, wodurch sich der Sampler zu einem bunten Kaleidoskop an Styles gestaltet.
Dreizehn Artists treten an, mit themenbezogenen, beißend kritischen Tracks auf die Missstände aufmerksam zu machen: Man hört den Stücken an, dass hier mit viel Enthusiasmus an die Sache herangegangen wurde und dass sich die Texter engagiert mit dem Thema auseinandersetzen. HipHop hatte immer schon politisches Potential, hier wird es wieder einmal ausgespielt.
Titel wie »Twisted Justice«, »Polizeistaat?!« oder »Die Üblichen Verdächtigen«, exemplarisch herausgegriffen, bergen Geschichten von Überwachung, Kontrolle und, eben, Polizeiübergriffen gegen »Andersartige«. Live werden diese Geschichten auf einer Tour im Oktober – Termine stehen noch nicht fest – erzählt werden. Der Sampler soll die österreichische Situation anhand erstellter Statistiken, Jahresberichten und registrierter Angaben Betroffener von heimischen Polizeiübergriffen, von denen auch Jugendliche aus der HipHop-Szene betroffen sind, transparent machen. Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung wird auch eine Website mit einer Polizeiübergriff-Landkarte installiert.
Insgesamt ein kritischer Hörgenuss mit positivem Nebeneffekt: Ein Teil der Einnahmen soll einer österreichischen Hilfsorganisation zugute kommen, der gute Zweck schafft auch Mittel.