The Sex Organs

»Intergalactic Sex Tourists«

Voodoo Rhythm Records

Am 12. April 1962 flog eine stählerne Kugel durch den Himmel. Gagarin. Aus dem Elendsquartier der Sowjetunion wurden Raketen abgeschossen, die es bis über die Great Plains schafften. Damit änderte sich alles. Mit der Mistgabel in der Hand war der der Blick nach oben nun ein angstvoller. Am Firmament blinkte es, weil der Ivan herabblickte. Immer, wenn etwas aus unbekannten Gründen und Weiten angeflogen kommt, dann entstehen schnell große Ängste. Werden diese noch geschürt, entsteht Hysterie. Damals wie heute. Die Angst vor den Commies wurde in der populären Science-Fiction aufgegriffen und damit weniger bewältigt als kultiviert. Die gesellschaftlichen Folgen einer allgemeinen geistigen Eintrübung sind wohldokumentiert. Nur, das Ganze war – wir ahnten es bereits – ein Cover-up. Kommunisten: Pah! Weicheier, nicht der Aufregung wert. Was damals tatsächlich passiert ist, war noch viel, viel schlimmer und weite Kreise wagen bis heute nicht, darüber zu sprechen: In jener Kugel saßen Außerirdische! In ihrem Gepäck hatten sie den weiblichen Orgasmus.

Nach jahrzehntelanger schmerzhafter Unterdrückung der wahren Tatsachen, beschenkt uns nun Voodoo Rhythm Records mit einem Bravourstück aufrichtiger, wissenschaftlicher Aufklärungsarbeit. Was so lang geleugnet wurde, ist nun nicht mehr zu bedecken: Sex Organs befinden sich mitten unter uns! Diese schwerwiegende Erkenntnis kann nur mittels Rock’n’Roll begreifbar gemacht werden. Gutem Rock’n’Roll, der sein Publikum da abholt, wo es vor fünfzig Jahren allein gelassen wurde. Schnipsel aus Radiosendungen jener Tage ergänzen einen hingerotzten, punkigen Sound, bei dem die straffbespannte Trommelhaut nicht geschont wird und die Gitarrensaiten fleißig befingert werden. Einfach stimulierend. Was für ein Glück, dass sich seit dem Jahr 2014 die Sex Organs wieder offen zeigen und mit den primitivsten Mitteln ihre irdische Mission verfolgen. Die Platte kommt mit wunderschönem Artwork, Brettspiel und einem herausnehmbaren Poster – ideal zum Aufhängen im Pfadfinderkeller. Außerdem sind die Sex Organs eine Band, bei der es wirklich lohnt, ihren Namen auch einmal zu googeln. Zahlreiches Anschauungsmaterial.