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Ifaname

»Ifaname«

Sonig

Was machen drei Improvisationsmusiker im Restaurant? Arbeiten. Beim Blick aufs Bandfoto von Ifaname fällt mir dieser leidlich komische Witz ein, der auf die kargen Existenzbedingungen längst nicht mehr nur experimentell gestimmter Musiker*innen verweist, auch wenn Mats Gustafsson, Jan St. Werner und Johan Berthling aufs Essen zu warten scheinen, anstatt es servieren zu müssen. Ich will auch stark hoffen, dass die drei Veteranen mittlerweile ohne Nebenjobs ein Auskommen mit ihrer Musik finden. (Gustafsson kann im Zweifel immer auch ein paar teure Schallplatten aus seiner berüchtigten Sammlung verkaufen, sollte es mal knapp werden.) Halbgare Witze hin, unbequeme Realitäten her – das Debütalbum von Ifaname wird keine Veröffentlichung sein, die ein größeres Publikum jenseits der interessierten Kreise erreichen kann. Das ist auch sicher nicht die Erwartung – sowohl das alteingesessene Kölner Label Sonig als auch die beteiligten Musiker wissen um die relative Reichweite ihrer Klangforschungen. Nichtdestotrotz hauen sie sich voll rein und kommen zu unterhaltsamen Ergebnissen in der Auseinandersetzung mit ihrem Material. Saxofon, allerlei Elektronik und ein Bass werden auf alle mögliche Weisen gespielt und die so erzeugten Töne und Geräusche verfremdet und verfeinert, sodass keine Langweile über die Dauer des Albums aufkommt. Das ist nicht wenig, denn im Genre des atonalen Knusperns kann schnell ein unfreiwillig komischer oder gar kein Eindruck hinterlassen werden. Schief oder neben den Ton quietschen kann vermeintlich jeder. Das stimmt natürlich nicht und es ist daher auch ein Ausweis von Könnerschaft, wenn man während des Abhörens eines Tonträgers mit doch eher sperriger Musik dranbleibt. Bei »Ifaname« gelingt mir das ohne Mühe. Die fünf abwechslungsreichen Kompositionen/Improvisationen überraschen immer wieder mit einer kleinen zusätzlichen Idee hier und einem anregenden Einfall da. Wahrscheinlich merkt man der Musik auch an, wenn Musiker selbst Spaß bei der Sache hatten – das überträgt sich. Wer also auf der Suche nach kurzweiliger experimenteller elektroakustischer Musik ist, die weder an steriler Laboratmosphäre noch an akademischer Steifheit leidet, sollte es mal mit »Ifaname« versuchen. Wenn sich hinreichend viele Interessierte finden, was schön wäre, dann springt vielleicht auch noch mehr als eine warme Mahlzeit für das Trio dabei heraus!

Home / Rezensionen

Text
Holger Adam

Veröffentlichung
13.03.2026

Schlagwörter

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