Idris Ackamoor & The Pyramids

»An Angel Fell«

Strut/Hoanzl

Im Jahr 2013 schrieb Paul Poet in skug über die Wiederauferstehung (zumindest auf Tonträger) einer etwas »schrägen« Band, die in der ersten Hälfte der Siebziger eine sehr schrille, freie, in ihrer Art aber zeittypische Variante von Jazz (»Free«) im Sinne von Sun Ra oder des Art Ensemble of Chicago machte. Das Album, von dem Paul Poet u. a. mit einiger Begeisterung meinte, dass es »Spiritual Jazz mit einer starken Schlagseite Richtung Rauchwaren, Kometenreisen und afrozentrischem Gruppen-Happening« biete, war eigentlich schon zwei Jahre zuvor herausgekommen, hieß »Otherworldly«, die Band nannte sich The Pyramids und einer der Mitspieler war Idris Ackamoor. Er ist es, der heute das »Spaceship« lenkt, und einige Dinge sind gleichgeblieben: Nach wie vor hat Ackamoor einen afrozentrischen Ansatz und bezieht sich auf Leute wie Pharoah Sanders, Alice Coltrane, Sun Ra und andere Leitfiguren jener »Aufbruchs«-Jahre. Der jugendliche Art-School-Zugang plus Avantgarde-Anspruch sind insofern etwas verflogen, als die Musik in dem Sinne professioneller geworden ist, dass sie auch Markterfordernisse berücksichtigt. Und das muss ihr ja nicht zum Nachteil gereichen – und tut es hörbar auch nicht. Afrobeat spielt heute nach wie vor zweifelsohne eine Rolle im musikalischen Kosmos des Idris Ackamoor. Aber auch genannte Siebziger-Jahre-Heroen tun es. Das Album ist vielfältig: Mit »Message to My People« macht Ackamoor einen Trip ins funky New Orleans, »Soliloquy for Michael Brown« ist ein wortlos beredter Epitaph, ein instrumentales Pamphlet für jenen schwarzen, unbewaffneten Jugendlichen, der von einem US-amerikanischen Polizisten erschossen wurde, »Land of Ra« mit seinem leichten Reggae-Rhythmus lädt (den Produzenten Malcom Catto von den Heliocentrics) geradezu zu einer dezenten Dub-Produktion ein, und »Papyrus« hat alle Elemente episch breiter Filmmusik. Es mag der leicht esoterische Touch, das verkifft Spirituelle seines Saxofonspiels zusammen mit dem Einsatz der Instrumente, vor allem der für den Jazz eher untypischen Violone, sein, die mich immer wieder an Joe Henderson und sein epochales Album »The Elements« (gemeinsam mit Alice Coltrane) erinnern, einen meiner frühen Favoriten, den ich nun wieder entstaubt habe.