House aus den Knochen

Das Pochen des Hitzekollers. Bloß nicht denken. Endorphin und Muskelzucken. Ganzkörperfloor.

MicroBeats sind weniger technoider Small Talk, als das pulsende Runterkürzen auf die Rudimente, die klopfenden Grundwurzelns des Rhythmus. Bei über 40 Grad ein überaus kühlendes Kopfaquarium. Und perfekte Rutsche zum Austausch sonnengeschädigter Quergedanken und Chromosomenüberschüsse. TocTocToc. Schlenkerzisch. Trefferversenkt. Da geht Jesus nicht gleich über ein Weinmeer, weil sich just alle einschlägigen Releases der letzten Monate dem gleichen Tenor verschreiben: Minimalster straight-ahead Technofunk mit flauschig umschmusenden House-Vibes. Sommerware halt. Wenn schon Barry Whites Zunge verebbt, schleckt einen eben der RoboLover die Kehle runter. Glitchswing mit herunter gelassenen Hotpants. Neurosexadelia für die bebrillte Swimmingpoolorgie. Wenn das Fleisch regiert, spielt die Musik eben backgroundgebundene Backseat Education. Folge: Kaum Klunker, aber schon gar keine Highlights. Schmuckster Junge im puren MicroHouse ist neben LUOMO, frisch mit dem mondänen wie schmackigen »Present Lover«-Album (BMG) zu Majorehren gekommen, der Detto-Veteran BENJAMIN WILD, der mit »Wie es sein sollte« (Source/Ixthuluh) eine bewusst ruhigere Pumpkugel schiebt: Viel Ohrenleckgeflüster, smoothes Wellengehabe, Neurodelphinismus. Way pretty, aber eher was für den Champagnertreff und die Legecouch als für Haut stauende Ekstasenhorden. Den Balearenbarbaren lässt eher Berlins own ALEXANDER KOWALSKI auf »Response« aus dem Chordloch. Handies in die Höh, Shake the Rump und etliche andere schweißreibende Gruppenaktivitäten stampfen den 4toGo-Takeaway. Leichte Kost von extremen Party-Appeal. Ein neuer Ian Pooley? Mit dem Track »Emtec« gibt’s sogar Ibizadustrial und durch den grandiosen Gesang von Ladomat-Act Turner auf »Lock Me Up« ABC und Flock Of Seagulls New-Wave-Herzeleid in den Raveslippern der Südstrände. Well done indeed. Komplett aus lässt dafür RICARDO VILLALOBOS mit dem ansderswo vielgelobten »Alcochafa«-Album (Playhouse/Ixthuluh): Hochgezüchtetes Hyperstylebewusstsein ohne Fickgarantie. Der Beachgockel im teuersten Outfit, dem der Treibfaktor komplett flöten geht. Definitiv Lärm um nichts. Überraschungsgast ist Jungleurgestein Tom Withers aka KLUTE, der auf dem Konzeptmonster »Lie, Cheat & Steal« (Commercial Suicide/Soul Seduction) jeweils eine CD-Seite lang seine Instinkte in Sachen Retro-Drum’n’Bass und skelettiertem Big-Beat-Techno zur Großrandale ausführt: Ganz janusgesichtig unterliegen dabei die schon reichlich historisch schmeckenden Scutterbreaks dem grandios walzenden Viererkrambambuli irgendwo zwischen Fatboy Slim und frühen Future Sound Of London. Seite zwei ist ein essentielles Sammlungsmuss! Ebenso prächtig der seit 1999 Platten brutzelnde IVEN SCHMIDT mit Debütschmuckstück »track:array« (Ware/Ixthuluh), das das Atari-gewandete Party Monster, le Freak c’est Chic brüllend, aus der knarzig virtuellen Gameboy-Reduktion krachen lässt. Um Atommeiler besser als Kraftwerk 03, betcha ass! Ähnlich elektroiden Freeway-Ergüssen haben sich Ami-Solist CODEBASE auf »Style Coding« (Force Inc/Ixthuluh) und Russki-Duo SCSI-9 auf »Digital Russian« verschrieben: Funked up LoStomp-Detroit, das auf einzelnen Tracks das Herz erhellt, auf voller Länge etwas abwechslungslos aufgeigt. Beachtlich in der dubbenden Randzone: TELEDUBGNOSIS, Beatscapes werkendes N.Y.er Bandprojekt rund um Prong (!). Echt gefertigte Headz-Breaks in teuflisch trüber Stimmung. Jazz-Sex from Inner-Space-Hell. Die Tanzversion von Scorn und die perfekte Chillzone nach einer Überdosis House-Prozac. Auch Herbst muss sein!

>> http://www.ixthuluh.com