OMD

History of Modern

Bright Antenna Records

Eines ist OMD mit ihrer ersten gemeinsamen Platte seit 26 Jahren gewiss gelungen, nämlich nicht altbacken zu klingen. »History Of Modern« ist Popmusik auf modernstem Produktionsniveau, kein billiges Reunion-Produkt. Was angesichts der Wiedervereinigung auf Oldie-Show-Umwegen und des sich am Rande der Lächerlichkeit bewegenden Alleingangs von Andy McCluskey in den 1990ern schon eine reife Leistung ist. Letzterer singt auf dem neuen Album so befreit und jugendlich-frisch auf, als ob nichts gewesen wäre. Immerhin reden wir hier von Ikonen der frühen 1980er Jahre, die mit ihrer elektronischen Popmusik – zusammen mit The Human League, Ultravox et al. – den Pop dieser Dekade und im Besonderen die Genres Synthpop und New Romantic enorm prägten. Leider überzeugt »History Of Modern« wenig. Selbstverständlich greifen OMD auf den Sound der 1980er zurück, wozu auch ein kompletter Neuentwurf? Dabei wäre allerdings wirkungsvoller gewesen, sich an der Stilistik der ersten Veröffentlichungen zu orientieren, dem zackigen, an früher deutscher Elektronik geschulten Disco-Wave-Pop, anstatt den Pomp ihrer späteren Charterfolge ins Heute zu transportieren. Arg schwülstige und überladene Songs, bombastisch arrangiert und getragen von zu kitschigen Melodien – eigentlich die selben Argumente, die einst von stumpfen Rock-Proleten in Richtung der Popper gefeuert wurden. Die alte Taktik bewusst dick aufzutragen, um sich vom ungeliebten Gegenüber strikt abzugrenzen, besitzt 2010 jedoch nicht mehr dieselbe Kraft, sondern ist schlicht too much. Die erste Seite des Albums enthält eben jene Songs, die teilweise nicht mehr weit vom Schlager entfernt sind, Seite Zwei dagegen ist kühler und minimalistischer gehalten, und somit deutlich besser. Mit dem überzeugendsten Track »The Right Side?«, einer achtminütigen Kraftwerkreminiszenz, schlie&szligt die Platte. Fraglich, ob OMD mit ihrem Neustart auch andere Hörergruppen anziehen können, als die alteingesessenen Fans. Dass der musikalische Weg kein falscher sein muss, zeigt die momentane Aufregung um die Neo-New-Romantics von Hurts, die ja gerade auf dem Sound aufbauen, den OMD mit entworfen haben. Allerdings funktioniert die Retro-Version besser. Hier könnte mal wieder Alt von Jung lernen.