»Boyz in the Wood« © slash Filmfestival

HipHop und Horror in den Highlands

Das Schlusslicht beim slash Filmfestival ist zugleich sein Highlight in jeglicher Hinsicht. Mit »Boyz in the Wood« legt Regisseur Ninian Doff ein temporeiches, verrücktes und zum Schreien komisches Spielfilmdebüt vor. Ein slash-Review.

Die Closing Night des slash Filmfestivals 2019 beginnt mit der Verleihung des Publikumspreises an den besten Kurzfilm im Rahmen der »Fantastic Shorts«-Auswahl (Gratulation an »Avarya« von Gökalp Gönen) und des Jurypreises an den besten Film in der slash Competition (Glückwunsch an »Dogs Don’t Wear Pants« von J-P Valkeapää). Beide Filme sind am Sonntag, dem 29. September um 21:00 Uhr noch einmal bei freiem Eintritt im Metro Kino zu sehen, also rechtzeitig Zählkarten checken! Dann folgt der offizielle Abschlussfilm »Boyz in the Wood« von Ninian Doff, der sich via Videobotschaft meldet und gute Unterhaltung wünscht. »And if you don’t like it … shut up.« Nicht notwendig.

Der Plot von »Boyz in the Wood« in a nutshell: Die drei Misfits Dean (Rian Gordon), Duncan (Lewis Gribben) und DJ Beatroot (Viraj Juneja) werden zu einem Selbstoptimierungstrip auf dem »Duke of Edinburgh«-Trail verknackt und sollen auf dem Weg durch die schottischen Highlands an ihren sozialen Kompetenzen arbeiten – Stichworte: Teamwork, Orienteering und Foraging. Unterstützung erhalten sie von Musterschüler Ian (Samuel Bottomley), der zumindest eine Karte lesen kann und den Jungs helfen soll, sich ohne gröbere Verletzungen von A nach B durchzuschlagen. Ein Kindergeburtstag, wäre da nicht der schottische Landadel in Gestalt von Eddie Izzard und Georgie Glen, die das störende »Ungeziefer« kurzerhand zum Abschuss freigeben. Und so beginnt eine wilde Jagd durchs schottische Hochland, bei der u. a. HipHop-begeisterte Farmer (James Cosmo), ehrgeizige Dorfpolizist*innen (Kate Dickie und Kevin Guthrie) und Magic-Mushroom-Hasenkötel eine Rolle spielen …

Nach einer Reihe von Kurzfilmen, Werbespots und Musikvideos zieht Regisseur Ninian Doff in seinem ersten Spielfilm alle Register und schenkt uns eineinhalb Stunden pures Entertainment. Nicht nur das Setting und der breite schottische Dialekt (für das ungeschulte Ohr wären Untertitel hilfreich gewesen) erinnern dabei an »Trainspotting«. Auch die schnellen Schnitte, poppigen Kollagen und halluzinogenen Visuals legen den Vergleich mit Danny Boyle’s Film nahe, der das britische Kino in den 1990ern revolutioniert hat. Gewürzt wird das Ganze mit einer Prise Gesellschaftskritik, bloody hilarious Dialogen und Situationskomik, die einen im Kinosessel vor Vergnügen quietschen lässt – sowie einem fetten HipHop-Soundtrack, u. a. mit Danny Brown, Vince Staples und Run the Jewels.

Man merkt dem Film die Liebe an, mit dem er gemacht ist, und den Spaß, den wohl auch alle Beteiligten dabei hatten. Im Gegensatz zu »Extra Ordinary«, dem erklärten Publikumsliebling beim diesjährigen slash Filmfestival, der ebenfalls am Sonntag um 20:30 Uhr im Filmcasino noch einmal zu sehen ist, wirkt »Boyz in the Wood« humortechnisch auch weniger handzahm und kommt ohne leidige Jungfrauenwitze aus. Schottland gegen Irland also 1:0 und wer am Samstag zur Closing Night keine Karten mehr ergattert hat, bekommt am Sonntag um 18:00 Uhr im Filmcasino noch einmal die Chance dazu. Viel Vergnügen!

Link: https://slashfilmfestival.com/programm-2019/boyz-in-the-wood/