Peppe Barra

Guerra

Temposphere

Süditalien und der südliche Balkan haben mehr gemeinsam, als man denkt, obwohl da einiges Wasser dazwischen ist. Das merkt man beim Album-Opener »Oi Mare Má« von Peppe Barra, wo die besoffenen Bläser stark an Balkan Brass erinnern. Damit nicht genug: Der gesamte Fundus der Mittelmeerkultur von Antike bis jetzt spielt in dieser als neapolitanisch deklarierten Musik mit. Arabisches, Jüdisches, das spezielle Idiom der Stadt etc., Kombination von Gesang und Theater. Obwohl man für die teilnehmenden Gesangstraditionen mehr als zwei Hände braucht, ist dieses Album kein Werk, das sentimentalen Erinnerungen nachhängt. Jedes Stück klingt lebendig, wenn elektronische Einflüsse sehr dezent anklingen, wundert das genau so viel oder wenig wie alles andere – diesbezügliches Highlight: »Guerra«. Weiters bestechen ein solider Breakbeat bei »Core Nire« (Als Bonus zweimal remixed), ein Musikbett für eine Art Rap bei »Don Raffaé«, atmosphärisch für »Suonno«. Fazit: Weder Ethno- noch Italokitsch, einfach großartige Musik. Mitproduziert hat übrigens Gak Sato.