Gggolddd

»This Shame Should Not Be Mine«

Artoffact

32 Sekunden lang ein beunruhigender, kaum hörbarer Bass. Noch bevor der erste Ton erklingt, drängt sich Gggolddds fünftes Album leiblich auf. Man kann es spüren: Das Folgende geht unter die Haut. »This Shame Should Not Be Mine« ist ein Konzeptalbum, in dem Sängerin Milena Eva dem Trauma ihrer Vergewaltigung Ausdruck verleiht. Besondere Aufmerksamkeit schenkt sie Nachwirkungen, die für Opfer sexueller Gewalt oftmals mit Scham behaftet sind: Ekel vor dem eigenen Körper, die Schwierigkeit, sich an Freund*innen zu wenden, Angst vor Intimität. Rigoros zerrt die Niederländerin Zweifel und unerfüllte Wünsche ans Licht, die sie seit 17 Jahren begleiten. Die Zerrissenheit zwischen dem Wunsch, das Trauma hinter sich zu lassen, und der Notwendigkeit, darüber zu sprechen, durchzieht unbeschönigte Texte. »I should not let it define me in any way / But it’s easier said than done«, merkt Eva in ungebrochenem Tonfall an. Ihre markante, an St. Vincent erinnernde Stimme untermalen fünf Bandkollegen mit einer kontrastreichen Tonkunst an den Rändern von Post-Rock, Dark Wave und Metal. Auf diskrete Synths folgen beim »Strawberry Supper« dröhnende Sludge-Riffs, um in ein Black-Metal-Crescendo auszubrechen. Der titelgebende Track kombiniert Trip-Hop mit einem dissonanten Arrangement synthetischer Streicher. Gerade noch zusammengehalten wird diese wilde Mischung von einer disziplinierten Rhythmus-Sektion: Meist beschränkt sie sich auf repetitive Bass-Lines, um nur nach Aufbau emotionaler Spannung loszudonnern. Um einzelne Abschnitte reibungsloser ineinanderzufügen, hätte Gggolddd vielleicht etwas mehr Feinschliff vornehmen können. Glücklicherweise scheut sich die Band nicht davor anzuecken. Schonungslose Ehrlichkeit macht »This Shame Should Not Be Mine« zu einer einschneidenden Erfahrung.