Gerald Votava ft. Walther Soyka

»A schenes Lem! Die Nöstlinger Songs«

Baader Molden Recordings

Gerald Votava kennt sich aus im Werk von Christine Nöstlinger. Vielleicht nicht so sehr bei den weit über 100 veröffentlichten Kinderbüchern, dafür umso besser in den Werken, die sich eher an Erwachsene wenden. Bereits 2011 im Wiener Rabenhof-Theater bei dem Nöstlinger-Programm »Iba de gaunz oamen Leit« war Votava mit von der Partie, 2016 spielte er im Film »Maikäfer flieg« ihren Vater. Im Rahmen einer Ehrung, bei der Votava ein vertontes Gedicht vorgetragen hat, begegneten sie einander, woraus sich eine künstlerische Freundschaft ergeben habe. Irgendwann drückte Nöstlinger Votava einen dünnen Stapel Blätter mit Dialektgedichten in die Hand, die sie zur Vertonung freigegeben hatte. Als Buch erschienen die Poeme nach ihrem Tod unter dem Namen »Ned, dasi ned gean do warat«. Um die viele freie Zeit während der Lockdowns produktiv zu nutzen, machte Votava sich mit dem auch nicht ganz unbekannten Akkordeonspieler Walter Soyka an die Vertonung. Knapp zwei Dutzend Songs, von ganz kurzen Petitessen bis zu Stücken mit beinahe üblicher Songlänge, durchgängig spartanisch instrumentiert, sind so entstanden. Die instrumentale Zurückhaltung korrespondiert bestens mit der Mundartlyrik Nöstlingers. Wäre sie ein Schauspiel, wäre sie am ehesten ein Kammerspiel. Wer Votava noch von der Zeit mit dem dadaistischen »Projekt X« kennt, könnte erstaunt sein über die Wandlungsfähigkeit des vielseitigen Entertainers. Wandlungsfähig war aber auch Nöstlinger selbst, nicht zuletzt mit dem Ö3-Alien Wischer-Dschi-Dsche-i Dschunior mit der blechernen Stimme, der im noch nicht formatierten Radio erfolgreich für Irritation sorgte. Ursprünglich sollten die Arrangements opulenter angelegt werden (die Labelbetreiber waren dagegen), geworden sind es dann doch relativ spartanische Arrangements, die aber gut mit den Gedichten korrespondieren. Als kleine Stütze verrichtet ein Drumcomputer der älteren Generation brav seinen Dienst. Votava singt mit sonorer Stimme und melancholischer Grundhaltung und bringt auch den Dialekt von Nöstlinger erstaunlich gut hin. Dass bei der Autorin immer wieder die Komik in der Tragik durchbricht, nimmt den Gedichten etwas von der elenden Schwere der Tristesse. Nöstlinger war in ihrer Arbeit immer den sogenannten »klanen Leit« verpflichtet, denen es »hint und vuan ned zsamgeht«. Ob jetzt die Frage »Was ist besser, bled oder bes?« endgültig beantwortet werden kann, ist immer noch offen. Songs wie »Jedn Dog noch Mittanochd« oder »Ea hod ihr a Messa in Bauch grennt« sind jedenfalls große Klasse, um nur zwei Stücke herauszupicken. Die Live-Umsetzung des Albums soll zudem mit etwas mehr Wumms vonstattengehen, da wird nämlich Drummerin Eva Petrova zusätzlich ordentlich draufdrücken, wie man bei den sogenannten Butter-Sessions im Netz bestaunen kann.