G.Rag y los Hermanos Patchekos

»How Sweet The Sound«

Gutfeeling/Broken Silence

23. Oktober 2018: Nach einem famosen Gig der Mali-Tuareg-Wüstenbluesband Tamikrest im Chelsea am Wiener Lerchenfelder Gürtel komme ich am Weg zur U6 am Fania nicht vorbei. In diesem Live-Lokal lassen Migranten ihre Musik hochleben, also spielt ein Ensemble von südamerikanischen Wienern Cumbia. Mit einer Riesenfreude und viele im Publikum tanzen. Was dazu anregt, sich der heurigen Mini-CD der stets spannenden Münchner Formation G.Rag zu entsinnen. Diesmal selfmade, nicht mit Zusatz Landlergschwister, sondern y los Hermanos Patchekos. Somit taktet »How Sweet The Sound«, die insgesamt achte G.Rag-Scheibe, auch erhältlich als 12″-Vinyl, nicht unbedingt irreführend. Ist nun »cumbia kairo« eine arabisierte Cumbia? Nein, so weit geht G.Rag nun doch wieder nicht, es ist nur eine Hommage ans Café Kairo in Bern mit Micha Acher von The Notwist an der Trompete. Und doch eine waschechte Cumbia wie »para ida« – mit lässig-melancholischer Färbung und doch voller Esprit. Die Bläser jubilieren auch in der schrägen »cumbia gasolina« und die rusty Slidegitarre G.Rags ist es, die den Song zu einem scheinbaren Bastard macht, wenngleich es vom Rhythmus her tatsächlich an eine kolumbianische Cumbia gemahnt. Die dann gleich in Dub getaucht wird. »gasolina en dub« ist eine nur 48 Sekunden dauernde Miniatur, mit herausragender Posaune. Und Miniatur Nummer 2 ist Track 2: In »lamento ʼlois« wird mit gedämpftem Gebläse ein Volkslied aus dem Alpenraum angedeutet. Und auch auf diesem achten Tonträger verheimlicht G.Rag keineswegs seine Vorliebe für Transatlantisches. Auf »moissoneur« hat seine Combo einen toll swingenden, bluegrassigen Cajun-Sound. Ja, genau das macht eigentlich G.Rag y los Hermanos Patchekos im Kern aus: Banjo bzw. Slide- und weitere Gitarren und die rostige G.Rag-Stimme. Nicht zu vergessen die luxuriös besetzte Rhythmusachse mit je zwei Percussionisten und Drummern und Kontrabassist sowie Horns und hin und wieder Akkordeon und Melodica. Deswegen hebt Sun Ras »rocket no. 9« in eine andere Stratosphäre ab, samt scharfen Bläsersätzen und allerlei perkussivem Geklingel. Toll. Andere Rezensenten würden wohl Space Jazz dazu sagen. Final wird noch Blind Willie Johnsons Gospel Tune »bye & bye« in eine spirituelle Form transzendiert. Die Bläsersektion trötet fröhlich vor sich hin, obwohl Abschied genommen wird. Also darf die Bottleneckgitarre weinen und auf sehr anregende Weise geht das in ein mit Geräuschen untermaltes Americana-Outro über … »that saved a wretch like me«. Amen.