Foetus

Flow

Noisolution

Den alten Teufel aus dem Sack geholt. Was macht der Star des misogynen 80s-Stomp, des überdramatisierten Glamdustrial, des Breitwand-Hatepop, des »Alles muss schnell sterben! Wir machen freudig mit!« heute? Wenn die großen US-Feindbilder wie Russland und China Kartellbrüder sind. Wenn Heroin und Waffensex als Schulstandards keine Straßenexotik mehr versprühen. Wenn Satanspapas Kinderchen, die seinen Stil (bös feixende Croonmantras über Beatbox und pathetischem Samplebad) kopierten, sich mit größerer Publikumsgunst (aufwärts: CopShootCop, Ministry, NineInchNails) verabschiedeten. Pensionskretin? Goldener Schuss? Schnell ein Buch über die globalkulturelle Signifikanz von Kacke schreiben? Herr Thirlwell verfasst, wenn er sich mal wieder fasst, seine innere Hölle zu einem tonalen Las Vegas. Nur ohne Überschminken der Aggression, des Lärms, der Künstlichkeit. Wie auf seinem Meisterstück »Gash«, mit Sony einziger Majorausritt von ’95, setzt er auf »Flow«, der ersten richtigen Platte seitdem, den Kollaborationsweg mit der N.Y.-Avant- und Noiserock-Creme de la Scene (Hahn Rowe, Oren Bledoe, Vinnie Signorelli) fort. Heißt nicht mehr der heute kaum mehr hörbare Synthpathos vom 80er-Ehedem, sondern schwitzendes, krachendes, fistendes Berserken von Swing, Barjazz, schizoid Schifrinesken Spy-Soundtracks und viel grob gehacktem Rockspirit, auf deren Spitze der Höllenhund über die letzten Tage des letztklassigsten aller Menschen rotzt und heult. Ein unrasiertes Delight.