No Panic No Pain

Flohio

Alphatone

»Energy energy energy/I need energy, quickly« – so eröffnet Flohio ihr Mixtape/Album »No Panic No Pain«. Schnell ist klar, dass die Rapperin weniger unter Energiemangel leidet, als dass sie die spannungsgeladene Atmosphäre Londons aufsaugt, verarbeitet und wieder ausspuckt. Dabei vermischen sich persönliche Begegnungen, Eindrücke aus dem Musikbusiness und die Omnipräsenz unterschwelliger Gewalt zu einem vielschichtigen Amalgam: »Pushed off a cliff/they saw me land«. Einen besonderen Reiz bildet dabei Flohios lässig hingenuschelter Akzent – der ist nicht immer leicht zu verstehen, sobald sich die Lines jedoch sinnvoll auflösen, kickt ihr lyrisches Potenzial dafür umso härter. Flohio als Meisterin des sprachlichen Nahkampfs: »Face back to the front/who’s callin shots? You ain’t even tough/Kicked to the rocks, still with the bag/With many drops, I let it drop [bass]/Anybody wanna try, get hit down, no play time woah/Everyday’s on job, no distracts/Gonna get this work«. Flohio lässt dabei offen, ob sie auf der Bühne steht oder auf der Straße. Alles ist in Schwebe und eine einzige Zeile reicht aus, um die Verhältnisse auf den Kopf zu stellen: »They set me ablaze/they can’t put me out«; oder um den postkolonialen und patriarchalen Strukturen der Musikindustrie »With Ease« in den Arsch zu treten: »Then along went with his vibes/Fuck that you get exiled/Send ’em back to where they came from/… /While he’s showin’ scars, show reflection«. Wobei es Flohio zwischenzeitlich auch durchaus locker angeht: »Herb’s life got my crew bunnying«. »No Panic No Pain« ist ein herausragendes Debüt, das seinen Zuhörer*innen einiges abverlangt – nach knapp 30 Minuten ist man zwar beglückt, aber auch irgendwie erledigt.