Fire!

»Defeat«

Rune Grammofon

Alles andere als eine Niederlage! Mats Gustafssons Produktivität ist und bleibt ungebrochen. Nur einen Monat nach Erscheinen des zweiten The-Underflow-Albums »Instant Opaque Evening« mit David Grubbs und Rob Mazurek gibt es nun Neues von Gustafssons Kerntrio mit Johan Berthling und Andreas Werliin. Dass sich Gustafsson längst nicht auf sein – freilich immer wieder gerne gehörtes – markantes, bewährt-brachiales Tenor- und Baritonsax-Powerplay beschränkt, sollte mittlerweile bekannt sein. Dass er in letzter Zeit der Flöte einen so prominenten Platz innerhalb seines Klangspektrums einräumt, kommt vielleicht doch überraschend. Frei flötende Erkundungen ließen 2020 das kraftstrotzende The-End-Album »Allt är Intet« ausklingen. Bei The Underflow kommunizieren Gustafssons Flöte und Saxofone zu gleichen Teilen mit Mazureks Trompete und Grubbs’ Gitarre. Das Flötenspiel auf »Defeat« erlaubt es auch dem Fire!-Trio, neue Akzente zu setzen. Die typische Heaviness, die noch »The Hands« (2018) prägte, hat sich weitgehend in andere Projekte (z. B. The End, Anguish) verlagert. Berthlings und Werliins dichter Groove, der stets über brav bestuhlte Jazzclub-Atmo hinausdrängte, bildet jedoch nach wie vor die Basis. Darüber erhebt sich Gustafssons Flöte im Opener »A Random Belt. Rats You Out«, als ginge es luftig-frisch in Richtung Pharoah Sanders’ »Thembi«. Auch meint man im Laufe der fünf Tracks einen pfiffigen Hauch Eric Dolphy zu verspüren. Und wenn schon die ganz Großen herbeiassoziiert werden, dann lässt sich dem Titeltrack auch ein Anflug Coleman’scher »Lonely Woman«-Melancholie attestieren. Des Weiteren wird der Sound von Mats Aleklint an der Posaune und dem bereits Fire!-Orchestra-erprobten Goran Kajfeš an der Trompete bereichert. Das Feuer brennt also nicht nur im beeindruckend wachsenden Repertoire des Fire! Orchestras – von Gospel-Souligem auf »Arrival« bis zu Pendereckis »Actions« – weiter, sondern auch in dieser erweiterten Trio-Formation.