Ekkehard Ehlers - 26. 3. 2005, Soundbridges@fluc_mensa Wien presented by skug:

Neo-skug-Kritiker Sebastian Reier befragt einen Elektronik-Maestro zum mit Abstand ödesten Notebookkonzert von SoundBridges: »Is this a joke?«. Andrew Sharpley: »Nooo … It’s a Job!«.

El Paso. 26. März 2005. Ausgedörrt und trockengeschwitzt nach drei Tagen Wanderung durch die trostlose Wüstenlandschaft erreiche ich einen verlotterten Autoverleih. Drinnen ist die Luft verquarzt, in der Ecke jammert ein faulender Fikus Benjaminus und lässt seine Blätter hängen. Hinter einem kahlrasierten Schreibtisch hockt ein bärtiger kettenrauchender Mann der, wohl stumm und am Stuhl angewachsen, in seine elektrische Tischeisenbahn vertieft ist. Eine dröge Tätigkeit, denke ich, doch fordert sie seine gesamte Aufmerksamkeit. So bekomme ich am Ende kein Auto, sondern wortlos eine verschrumpelte Gurke in die Hand gedrückt.

Was wie ein bizarrer Traum klingt, nennt sich am heutigen Abend Laptop-Konzert. Dieser instrumentalen Kategorie habe ich in meinem kurzen Leben schon sehr viel abscheuliche Erlebnisse zu verdanken [man denke nur an diese ganzen Aphex-Twin-Klone ohne Charakter und Minimal-Techno-Akufen-Verschnitte]. Die Guten tun hier jetzt nichts zu Sache, denn was Herr Ehlers abliefert kellert alles Bisherige [Kellern = norddeutsches Gegenteil von »Toppen«]. Verzeihen Sie mir, dass ich wie ein Sportreporter klinge, aber es erscheint mir als der einzig sinnvolle Weg, mich dieser schon fast phänomenalen Tristesse zu nähern.

Dass man bei sogenannter elektroakustischer Musik nicht performen muss wie Iggy, weiß jeder. Aber was passiert musikalisch? Zumindest nichts, was meine Aufmerksamkeit erregt. Was ich erinnere, ist eine spröde Milchsuppe irgendwo zwischen Werkschau und ideenloser Jamsession vorm eigenen Spiegel, gespickt mit einer unangenehmen Prise Referenzhölle. Das ganze aufs Liebloseste und lustlos zusammengekleistert. Leere.

Backstage befrage ich meinen britschen Kollegen. »Is this a joke?« – »Nooo … It’s a Job!«. Aha, treffend formuliert, warum bin ich kein Brite? Warum brauche ich soviel Zeilen? Ich bin einfach frustriert. So ein [hust!] Konzert kostet viel Kraft und Lebensmut. Im Kontext einer Leiterwagen-Veröffentlichung [www.leiterwagen.org] hätte ich wahrscheinlich gejubelt und »grandiose Langeweile« gebrüllt. Aber vor dem Antlitz des Zustandes elektronischer Musik und ihrer Rezeption wird mir speiübel. Hier wird einfach weiter humorresistent vor sich hingebrutzelt ohne Kommunikation und Aussage [stattdessen setze man die Worte »nutzlose Referenzialität«, »androide Isolation« und »intellektuelle Aufgeblasenheit« ein]. Bis es niemanden mehr interessiert.

Freunde berichten mir über Herrn Ehlers‘ ausgesprochenes Talent, Menschen gegen sich aufzubringen. Das ist ihm heute in Form einer Gala-Kür gelungen. Trotzdem gilt es, dass man solche Menschen nie unterschätzen darf! Vielleicht muss ich deshalb meine Meinung in zehn Jahren revidieren, aber fürs Erste bleib ich dabei: mehr Staub als Gold und vor Allem eins – FADE GRÜTZE! Lieber mit Großmutter Bingo gucken – davon haben alle mehr.