EABS

»Slavic Spirits«

Astigmatic Records

Wem die Musik von Kamasi Washington zu glatt und überproduziert daherkommt, dem sei die neue Veröffentlichung von EABS (steht für Electro-Acoustic Beat Sessions) ans Herz gelegt, die ähnlich modernen, von HipHop und Soul beeinflussten Jazz spielen und nun ihr zweites Album veröffentlichen. 2017 präsentierten sie mit »Repetitions (Letters to Krzysztof Komeda)« ihre Bearbeitung des polnischen Jazz-Erbes und warfen dafür noch ein Live-Album und eine passende EP hinterher (Triptychon also). Nun bringt die homogen männliche Gruppe mit »Slavic Spirits« wieder erfrischende Jazz Fusion, die mit Vogelgezwitscher beginnt, eine Spiritual-Jazz-Atmosphäre erschafft und mit Melodien protzt, so lieblich, dass es fast weh tut. Etwa die repetitive Klaviermelodie in »Leszy«, die in melancholische Gefühlstiefen abtaucht, dann jedoch durch die Bläser, die an die Skandinavier Jaga Jazzist erinnern, aufgelöst werden und letztendlich in diverse, energetische Soli übergehen. Obwohl man es hier offensichtlich mit jungen Profis zu tun hat, klingt das wenig abgebrüht. Besonders stark sind die Bläser-Parts (Jakub Kurek an der Trompete), wie in »Ślęża«. Die sind so schön, dass man sich gar einen Sprung in der MP3-Datei wünscht. Das repetitive Piano (sämtliche Tasteninstrumente von Marek Pędziwiatr) auf »Przywitanie Słońca« und das Post-Rock-artige Steigen der Intensität dürfen als ein Wink hin zum verstorbenen Esbjörn Svensson genannt werden. Der weitere Verlauf des Stücks hat etwas von einer Reise durch den Sternenhimmel – weit, geheimnisvoll, leuchtend. Das ist leichte, liebe, aber keinesfalls schlechte, progressive Jazzmusik.