Dub & so, Part 2

In skug #48 aus platzgründen nicht gedruckt, gibt’s nun die Gelegenheit sich online über Neuigkeiten betreffend Sampler aus den Bereichen Dub und Artverwandtem zu informieren.

Rob Smith (Smith & Mighty) und Peter D (Ex-Massive Attack) aka More Rockers standen ja immer etwas im Schatten der omnipräsenten Massive Attack. Weshalb ihr Sound Of Bristol auch beinahe an einem tragischen Fußnotendasein vorbeischrammte. Mit dem Sampler »Select Cuts – 12 Inch Selection« (Select Cuts) soll dem nun entgegen gewirkt werden. Und schon zeigt sich ein Dilemma. Klingt doch ein Klassetrack wie die 1995er Edel-Single »First Time I Saw Your Face« mit heutigen Ohren gehört plötzlich erschreckend harmlos, clean und abgenutzt. Das schmälert nicht die bahnbrechenden Arbeiten der More Rockers, nur lieferten sie damit scheinbar auch jede Menge leichtverwertbarer Blue Prints für die akustischen Tapetensounds der letzten Jahre. Soll heißen Breakbeats, Dub-Bässe & Soul-Vocals mit extrem wenig Widerspenstigkeitspotentialen (etwa im Gegensatz zu nicht unähnlich agierenden Drum’n’Bass-Acts wie z.B. die Reinforced-Posse). Übrig bleiben Nettigkeiten von unzweifelhaft hoher Qualität, die jedoch jenseits durchaus immer noch aufregend zu verfolgender Oberflächenspannungen plötzlich überraschend wenig unterkellert erscheinen. Problemstoffe transportiert auch »Select Cuts From Blood & Fire, Chapter Two« (Selects Cuts). War die erste Ausgabe von Neubearbeitungen aus dem reichhaltigen Blood & Fire-Backkatalog noch relativ okay (wenn auch ebenso schnell an Abnützungserscheinungen kränkelnd), so klingt???s diesmal eher nach einem schnell nachgeschobenen Zuviel des gut Gemeinten. Abgesehen von nervigen Großraum-Rave-Sounds fällt vor allem auf, dass die meisten Acts nicht wesentlich über allgemein gültige Dub-Lehrbuch-Minimalregeln hinausgehen. Zwar liefern u.a. Leftfield, Zion Train, Kid Loco, Black Star Liner, Mr. Scruff oder Jah Wobble okaye Dubs ab, aber weiterführende Experimente oder radikalere Dub-Exkursionen sind ihre Sache diesmal nicht. Vielleicht liegt???s ja auch an zuviel Respekt vor den Ausgangsmaterial (u.a. Tracks von King Tubby, Yabby You, Scientist, I-Roy, Horace Andy). Die bei Dub so geschätzten Irritationen des Zeit/Raum-Empfindens finden hier jedenfalls nicht statt.
Gänzlich anders präsentiert sich hingegen »Hi-Fidelity Dub Sessions Presents Roots Combination« (Guidance). Das in der Trumystic-Nachbarschaft (Dr. Israel & Co) operierende Roots-Combination-Kollektiv definiert Reggae als gimmickfreie Dub-Zone und zudem ohne das in England so beliebte Rave-Getrommel als Unterboden. Dub & Reggae sind in den USA ja nicht so das große Ding. Also heißt es zusammenhalten und forschungstechnische Wurzelbehandlungen durchzuführen, die anderswo am ehesten noch bei rootslastigen On U-Sound-Unternehmungen mit ähnlicher Konsequenz und Hartkernigkeit betrieben werden.