Discozma

»Discozma«

Jahmoni Music

Als erstes ist da ein abgehackter, schleifender Synthie, der bei mir zu spät Geborenem angelesene Assoziationen an die Art Techno weckt, die in den 1990ern im Berliner Tresor aufgelegt wurde. Dann ein dubbiger Bass, der sein eigenes Ding macht, quer zum Synthie. Dazu Maschinengeräusche, viel Hall, endlich ein dumpfer Beat, Kuduro-artige Snare-Schläge, zuckende Hi Hats, immer wildere Percussions. Düster, treibend, hart, funky, schwer, mäandernd, fordernd, verträumt. So klingt sie also, die »Tanzmusik als Denkmusik«, wie Didi Neidhart – zusammen mit Alois Huber das Duo Discozma – es in seinem schlauen Büchlein »Fissionen« nennt. Neidhart, der einst bei der Münchner Elektropop-Band Dis*ka die Beats bastelte, bisher aber vor allem im theoretischen Viertel von Pop zuhause war – unter anderem als langjähriger Chefredakteur von skug. Huber, der schon über zwanzig Jahre solo und in anderen Projekten an Tracks zwischen Dub und Techno schraubt. Seit letztem Jahr schrauben sie gemeinsam an ihrem düsteren und zugleich kosmischen Sound. Auf ihrer Debüt-EP präsentieren sie Sci-Fi-Musik, geschaffen aus den losen Enden der Geschichte der Popmusik. Burials sonischer Entwurf eines düsteren Londoner Underground, voller Schatten der Vergangenheit, ist direkt um die Ecke. Genauso der Dub-Techno von Basic Channel et al. im Nachwende-Berlin. Nur ist hier alles deutlich beatlastiger und schneller: Alle vier Tracks wollen auf den Dancefloor, und zwar ohne Widerrede. Dass »Discozma« ein Portmanteau-Wort aus Disco und der Prinzessin Ozma von Oz ist, dass laut Promo-Zettel Michel Foucault im Opening-Track »Uppsala Jaguar« herumspukt und Jacques Lacan in »Under Green Wigs«: Geheimwissen, das einen noch tiefer in die Tracks hineindenken lässt. Wenn man denn will. Denn das Denken – und das ist das Schöne an dieser EP – ist fakultativ. Zu oft hat man dieser Tage nur die Wahl zwischen schlichtem Retro-Techno, der knallt, aber nach einer Minute langweilt, und ausgefuchstem, vorwärtsdenkenden Techno, der zwar das Hirn beschäftigt, aber untanzbar ist. Discozma vereint endlich einmal beides – und zwar gleichzeitig.