Dekorder-Rundschau

Marc Richters in Hamburg ansässiges Label ist wieder mal schwer geschichtsmächtig: mit drei Releases zwischen Ambient, Soundart und Noise.

»Dawn Undefeated« ist die zweite Vinyl-only Platte von Mike Connelly aka FAILING LIGHTS, playable at any speed. Und schon sind wir bei Boyd Rice/Frank Tovey und bei der Affirmation des Trägermaterials. Das Collagencover könnte auch von Steven Stapleton stammen. »Dawn« ist kein »klassischerfont-family:“Times New Roman“; mso-fareast-font-family:“Times New Roman“;mso-ansi-language:DE;mso-fareast-language: DE;mso-bidi-language:AR-SA“>« Noise sondern eine Studie über abstrakte Geräuschpatterns. Repetition, Reverbs, Drones und ultraminimale Melodiefragmente wachsen sich zu verstörenden Kaskaden aus, die in ihrer Heftigkeit an Connellys anderes Projekt Wolf Eyes gemahnen. In »Our Wild Flight«, dem letzten Stück, entzieht Connelly dem Hörer schließlich sämtliche Raum- und Zeitkoordinaten, aus einem dunklen Schwebezustand schälen sich Gamelan-artige Perkussionssounds heraus und beklemmende Kratz- und Schabgeräusche treten auf den Plan. Auf guter Lautstärke jagt »Dawn« wohlige Schauer durch Mark und Zirbeldrüse.

Wesentlich freundlicher dagegen PHANTOM HORSE. Auf ihrer gleichnamigen Platte entwerfen Niklas Dommaschk/Ulf Schütte repetetive Strukturen, deren Historizität bei Krautrock, Gamelan-Referenzen und Minimal Music (Reichs »Music for 18 Musicians«) Station macht. Als eine Herausforderung kommt mir vor, diese synthetischen Modulationen mit Gitarrespiel zu vereinen. Was auf dieser Platte vorzüglich funktioniert. Sehr hypnotisch das, als wenn Zeitschleifen gerissen wären und nun lose im Raum wuchern. Oder ist’s gar doch eine Platte von Cluster, die sich Enos/Byrnes »Bush of Ghosts« anhören?

Wenn Ihnen wirklich abgedrehte Musik gefällt, sollten Sie sich »Hylyt« von Jan Anderzen aka TOMUTONTTU besorgen. Tomutonttu ist die finnische Antwort auf Nurse With Wound oder Doc Wör Mirran, schwerst dadaistisch geeichte Klangcollagen werden ausgebreitet, Rhythmen, Melodien und das ganze andere »Zeuchs« bedingungslos durch den Reißwolf gehexelt. DIY in Reinkultur. »Hylyt« entwickelt nach einiger Zeit ganz schön stressige Momente, aber das sehr wahrscheinlich absichtlich. Nicht zu empfehlen für die Tee-Party mit Omi. Stattdessen setzt die LP ähnliche psychopathologische Kapazitäten wie Hafler Trio frei. Ein opak schimmernder, (w-)irrer Kristall. »Hylyt« ist nichts weniger als die Einebnung sämtlicher Rationalitäten auf hohem kompositorischem Niveau.

Failing Lights: »Dawn Undefeated«
Phantom Horse: »s/t«
Tomutonttu: »Hylyt«

alle: Dekorder/a-musik