Paal Nilssen-Love

»Death Rattle«

Rune Grammofon

Ich spreche ja gerne von Jazzrock, wenn die Improvisationsattitüde auf einen gestandenen Beat und meist auch entsprechenden Druck auf den Verstärkern trifft. Das ist eine sehr freizügige Definition, und Drummer Paal Nilssen-Love war bei einem Interview, das ich voriges Jahr mit ihm führen durfte, auch gar nicht einverstanden damit. Sein Argument war, dass Jazzrock ein historisches Phänomen sei, das viel stärker an die damals übliche Formensprache gebunden ist. Vor diesem Hintergrund kommt die Kategorisierung als Jazzrock natürlich einer reaktionären Verortung gleich. Wer jazzrockt, schafft nichts Neues, sondern watet durch ein längst ausgelatschtes Genre. Natürlich stimmt das so auch nicht, es gibt immer Facetten, die noch Leben in die Sache bringen, außerdem kann mit allem Möglichen fusioniert werden – und sei es Gamelan-Musik. Als Richtwert passt Jazzrock also doch immer wieder ganz gut, im Fall von »Death Rattle« darf ich aber den Hut ziehen und sagen: Diese hochenergetische Symbiose von Aggro-Gitarrist James Plotkin und High-Energy Drummer Paal Nilssen-Love wirkt zwar wie die Quintessenz von improvisierter Haudraufmusik, ergo wie purer Jazzrock, wäre mit dieser Bezeichnung aber definitiv bestraft. Da ist nur noch die Hülle und das Gerüst des einstigen Genres, aber dieses derart auf pure Intensität und Leuchtkraft abgeklopft, dass es eine wahre Freude ist. »Death Rattle« klingt, als hätten beiden Herren ununterbrochen musikalisch gezündelt, unter wagemutigem Einsatz all ihrer Kräfte und Möglichkeiten. Kein Wunder, dass beide von schmerzenden Armen und Fingern, von Erschöpfungszuständen am Ende der Session berichten. Was wir hören hier ist Schwerstarbeit, ein akustisches Schweißtuch, mit kristallklarer Grimmigkeit und Schaffensfreude präsentiert. Ein Monument.