Alice Phoebe Lou © Robert Paul Kothe

Das Blue Bird leuchtet wieder

Konzepte, die funktionieren, sollte man nicht ändern. In diesem Sinne ist die Vorfreude auf das heurige Blue Bird Festival von 24. bis 26. November im Wiener Porgy & Bess wieder groß.

Wenn das Tageslicht zur Mangelware wird und die ersten Hustenanfälle bereits wieder abgeklungen sind, kann man sich Jahr für Jahr aufs Blue Bird Festival verlassen. Es bringt jede Menge Sonne in die Herzen jener, die ein Faible für die vielfältigen Formen von aktuellem Liedgut haben. Das Team der Vienna Songwriting Association schafft es jedes Jahr aufs Neue, Singer-Songwriter aus allen Teilen der Welt ins Wiener Porgy & Bess einzuladen, um sich und die Kunstform des Songs zu feiern. Wer jemals dabei war, kann sich sicher an lange Nächte erinnern und an Entdeckungen, die sonst nicht möglich gewesen wären.

Frenk_Lebel_c__Anton_H__llersberger.jpgDie Programmierung mit bekannten Stars und noch zu entdeckenden Hoffnungsträgern hat Tradition. Bereits einer der ersten Acts 2016 zeugt aber davon, dass man auf ewige Geheimtipps, die Generationen von Songwritern inspirierten, nicht verzichten will: Paul Roland, britischer Songwriter, Poet, Autor und Universalkünstler, der Songs aus den letzten drei Jahrzehnten im Gepäck haben wird. Begleitet wird er von einem heimischen Tausendsassa, der ebenfalls seit einer gefühlten Ewigkeit die Musikszene bereichert: Frenk Lebel, der mit Play The Tracks Of (siehe auch Backissues auf skug.at: Cover von skug #23) österreichische Popgeschichte schrieb und seither als Solokünstler Furore macht. Den Abend komplettieren die Neuseeländerin Aldous Harding und die Amerikanerin Rykarda Parasol, die schon zum zweiten Mal beim Blue Bird kunstvoll eingängigem Synthpop verpflichtet ist.

Beinahe Legendenstatus hat der Headliner des zweiten Abends: Lee_Ranaldo__c__Lino_Silva.jpgLee Ranaldo prägte mit seiner E-Gitarre den Sound von Sonic Youth und erfand sich nach Ende der weltberühmten Band unter anderem als Songwriter neu. Dass gerade er seine akustische Gitarre noch einmal auspackt, darf als Ironie des Schicksals verstanden werden, aber vielleicht liebt der graue Wuschelkopf nach den Jahren des Lärmgewitters nun Einfachheit und ruhigere Klänge. Auf Lee Ranaldo & El Rayo darf man jedenfalls gespannt sein. Aber auch die absolute Newcomerin Alice Phoebe Lou aus Südafrika wird die Neugier des Publikums beflügeln.
Beschließen werden das Festival am Samstag der hier durchaus schon bekannte norwegische Musiker Moddi, der ewig reisende Halbösterreicher und Teil von Nowhere Train Ian Fischer sowie Ex-Slowdive-Mastermind Neil Halstead. Wobei bei Letzterem die Wandlung vom Schrammelpopper zum akustischen Erforscher englischer Folkwelten zwischen John Martyn und Syd Barret durchaus beachtlich ist. In diesem Sinne: Wir sehen uns beim Blue Bird 2016

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