Foto © Daft Life Ltd.

Daft Punk: Code R.A.M.

»Random Access Memories«, das letzte Album des legendären Roboterduos Daft Punk , ist erschienen. Die ganze Welt redet davon, wartet und tauscht. Ein Insider-Gespräch darüber zwischen zwei Brüdern. skug unterhielt sich mit SebastiAn (Ed Banger Records).

Ûbersetzung: Alessandro Barberi
»Version français

Wie die Legende des Phönix. Alles hört mit den Anfängen auf.
»Get Lucky«, Track auf »R.A.M.«

skug: Weißt du, wer die Promotion für Daft Punk macht? Wir suchen für unsere Interviewgeschichte Fotos.

SebastiAn: Ja, ich werde fragen und es dir dann schnell sagen. Hast du dir die neue Platte angehört? Was denkst du?

Ich bete sie an, total. Ich habe denselben Eindruck wie damals, als ich Philip Catherine nach dreißig Jahren wieder gehört habe. Und in diesem präzisen Fall hier spielt Nile Rodgers überhaupt nicht nostalgisch, im Zero-Mode, es zählt einfach nur der Inhalt.

Es ist alles grundehrlich im Aufbau. Ich habe das schon während der Tournee, die wir gemeinsam gemacht haben, bemerkt. Es geht darum zu sehen, was sich nicht zeigt. Daft Punk lebt nicht davon, von ihrem Erfolg zu sprechen wie Personen, die sich zur Schau tragen. Sie ist wie ein geschlossenes Gefäß, und alles ist auf die Musik hin ausgerichtet. Alles bleibt intern und es gibt keine externen Störungen.
Das fühlt sich alles jetzt nach Dauer an …

Es geht klarerweise um eine Geste der Ursprünge, der Grund ihrer selbst, ja. Auch eine Form der Ausgeglichenheit, finde ich.

Ich glaube, die beiden haben wirklich ihre Epoche verstanden, sie treffen sie z. B. mit »Get Lucky« (der Single, die vor dem Album erschienen ist), das klarerweise die Ode an eine Epoche ist, die sie lieben. Und sie wissen, dass es tatsächlich keinen historischen Sinn in der Musik gibt. Alles läuft dort, wo du gerne hingehst. Und trotz des Gewichts der populären Ansprüche beschränken sie sich nicht darauf, zu machen, was man eben macht. Sie machen das, was sie lieben.

Aber das Gros des Populären besteht darin, dass dieses zynische Business zu wissen glaubt, welche Scheiße die Masse will, und das an Stelle der Masse. Und wenn Daft Punk wahrer Pop ist, mit Liebe, und dabei die ganze Welt berührt, dann ist das genau das Gegenteil.

Genau das hat mir Guy Manuel [de Homem-Christo von Daft Punk, Anm. d. Red.] gesagt, als ich ihn getroffen habe. Es ist lustig, aber ich kenne diese Musik – trotz meines jungen Alters – vor allem durch dich! »Das, was den Planeten dreht, die Kraft des Beginnens. Aufrecht durch die ganze Nacht, um die Chance anzunehmen « (»Get Lucky«). Die Popmusik war immer mehr oder weniger von der emotionalen Impulsivität abhängig. Von der unmittelbarsten und einfachsten Impulsivität. Jene, die man im Allgemeinen in der Jugend findet (manchmal auch ein bisschen später). Daft Punk hat dieses Teil gebaut, um die Menschen zu diesen Gefühlen zurückzubringen. Gefühle, die die beiden selbst finden, wenn sie Musik machen. Es gibt einen großen Sinn für das Erbe, den man bei ihnen spürt. Nile Rodgers hat das auch sehr gut gesagt, nachdem er mit ihnen gearbeitet hat … das funktioniert, weil sie mit aufrichtiger und unverzüglicher Leidenschaft arbeiten, sie reagieren nicht, sie »machen« es. Und es gibt klarerweise unzählige Referenzen, und auch das berührt. So etwa Giorgio Moroder … sie hätten ihn ja fragen können, ob er ein Stück mit ihnen aufnimmt, aber sie haben es vorgezogen, nur die Stimme und die Geschichte aufzunehmen, um die Demut demgegenüber hervortreten zu lassen, was vor ihnen gemacht wurde. Man sagt auch oft, dass sie auf das »reagieren «, was gerade abläuft, aber wenn man sie kennt, hat man diesen Eindruck nicht. Ich hatte immer nur den Eindruck, dass sie eine bestimmte Art von Arbeit (mehr oder weniger bewusst, aber sicherlich sehr instinktiv) für Dinge machen, die sie lieben.

Da wäre noch was: »Jeder echte Produzent weiß, dass in der Musik das mächtigste Mittel des Marketings die Wiederholung ist.« (Nile Rodgers)

Wenn man Daft Punk trifft, sind die beiden einem nicht weit entfernt, sie haben keine spezifische Aura im eigentlichen Sinn, sie sind zwei sehr einfache Typen. Aber sie sind wirklich und wahrhaftig passioniert, zwei wirklich Liebende. Sie haben eine immense Demut und einen Willen zum Wissen, zum Lernen. Deshalb befindet man sich jenseits des journalistischen Klischees vom French Touch, was die beiden betrifft. In Wirklichkeit sind sie musikalisch sehr, sehr gute generationenübergreifende Ûbersetzer … und es ist witzig mit »Random Access Memories« – man bemerkt ja nicht sofort ihre »Tatze« bei den Kompositionen. Aber man bemerkt schnell ihren eigenen »Schritt«. Es gibt da eine Erneuerung im Willen, eine andere Sequenz in der Musik aufzudecken. Das merkt man auf all ihren CDs. Du hast das ja schon vor mir bemerkt, aber es gibt in dieser Musik eine sehr subtile Dimension der Melancholie, die man nicht oft findet. Die Emotionen in der Popmusik der letzten zehn Jahre wurden ja immer unausgegorener. Man ist »traurig« oder »unzufrieden« oder »genervt« oder in debiler Weise »fröhlich« … und da kommt Daft Punk auf etwas zurück, das lange nicht mehr gehört und gekannt wurde (vor allem von den ganz Jungen nicht). Es ist nichts Neues für jene, die diese Musik in ihrer Epoche kennen gelernt haben, aber es ist sehr fein, das wieder dem großen Publikum vorzustellen.

Dieses Album ist eine wunderschöne Rückkehr, die Karriere der beiden hat Klasse.

Ich kenne die Referenzen dieses Albums sehr gut, und es sind genau jene, die Daft Punk bei sich zu Hause hören. Im Grunde ist das alles sehr pädagogisch, denkst du nicht? Mit dem ersten Album haben die beiden den Techno bei all jenen bekannt gemacht, die ihn nicht kannten, mit dem zweiten haben sie sich den Pop vorgenommen, und mit dem dritten spielten sie die große Epoche des Rock durch (von Led Zeppelin bis Zappa und nicht zu vergessen: Alan Vega) … aber das letzte Album lässt mich auflachen, wenn ich sehe, wie die ganz Jungen CDs bewundern, die sie nirgendwo sonst hören konnten. Aber die beiden von Daft Punk schicken das ab wie einen Brief mit der Post.

Ich denke ganz genauso … wie aber lautet, nachdem alles gesagt wurde, dein Fazit?

Wenn man darüber nachdenkt, ist es schlussendlich blöd, aber auch gut: Das Album definiert sich sehr gut im Verhältnis zu seinem Namen. Der RAM gibt als Einheit informatischer Speicherung im Plural das Spiel mit dem Inhalt seines Namens vor, das ist einfach perfekt.

Die meisten Songs handeln von der Liebe, von der Liebe jener Epoche, denen sie ihre Hommage widmen.
Gepostet von Lil Misty im Daft Club/Forum

Der Ton von gestern und die Musik von morgen: Dieses Album öffnet die Türen in beide Richtungen der Geschichte. Es erinnert mich an eine Epoche, in der ich nicht existierte … und es ermöglicht jenen aus dieser Epoche, die modernen Stile der Musik zu hören. Es erfüllt mich mit Neid, all die Musiken zu entdecken, auf die sie rekurrieren, sie bringen mich dazu, ein Instrument in die Hand zu nehmen, um all das neu zu erschaffen. Dieses Album ist eine Inspiration, die Inspirationen nährt. Dieses Album ist einfach nur menschlich.
Gepostet von Dr.GoFast, Amsterdam

Daft Punk: »Random Access Memories«
(daft life limited/Columbia/Sony)