Diagrams

»Chromatics«

Full Time Hobby

Er hat einfach, den Gag habe ich schon einmal woanders gemacht, den tollsten, zeitgeistigsten Popnamen aller Zeiten: Sam Genders. Ein Name, der im deutschsprachigen Raum wohl soliden zwei Dritteln der sog. ›Mehrheitsgesellschaft‹ die Fußnägel hochrollen lässt. Volks-Rock’n’Roller etwa würden sich lieber ausbürgern lassen, als eine Nationalhymne zu singen, die ein Mensch mit Namen Genders geschrieben hat. Dabei müsste auch das Konzept von Nation durchaus eine ganze Weile neu überdacht werden, bis es mit der Musik des Ex-Tunng-Masterminds vereinbar wäre; das einzige Land, das sich derzeit eine Genders-Hymne gönnen könnte, ist Wolkenkuckucksheim. Viel zu luftig klingt das, zu klein. Weniger Bohème-Kindergarten als seine frühere Band zu ihren guten Zeiten, macht er mit Diagrams elektronisch flankierten Sonnenaufgangs-Psych-Pop mit leicht sehnsüchtelnder Grundstimmung, der seine hohe Krabbelgruppen-Affinität natürlich nicht verleugnet, jedoch wesentlich straighter, zum klassischen Song hin tendierend, wenig ausfransend gestaltet. Wie schon auf dem Debüt »Black Light« von 2012 schafft es Genders mit seinen Gästen aber auch auf »Chromatics« nicht, die Spannung über die gesamte Albumstrecke zu halten – zu homogen die Atmosphäre, zu monoton in seiner schillernden Pop-Orgie das Songwriting. Das wird freilich vom Höchstmaß an Sympathie, das man dem Sound entgegenbringt, vom breitgegrinsten Mitsingdrang und von den Hits, die es hier natürlich auch gibt (ungefähr die ganze erste Hälfte nämlich) gut aufgefangen.