khktapes.jpg

Kassetten-Labels haben in letzter Zeit eine Renaissance erfahren – ein günstig herstellbares Medium, meist als physische Begleitung zu digitalen Releases. Au&szligerdem scheint sich ein alter Walkman leichter auf Flohmärkten oder Dachböden auftreiben zu lassen, als ein Plattenspieler, zumal bei letzterem das Hauptproblem die Beschaffung von Ersatznadeln für ältere Modelle sein dürfte. Im Apple-Store verkaufen sie jedenfalls keine. KHK Tapes ist ein ungarisches Kassettenlabel, KHK02 versammelt neun Tracks von fünf Artists auf einem C-25-Tape. Das Internet übersetzt »Kompromisszummentes Hideghullám Képviselet« mit »No-compromise Cold Wave Representation«, das Label selbst mit »The Weird World of Hungarian Avant-garde Minimal Electronics« – beides trifft den Nagel auf den Kopf. Durch alle Tracks ziehen sich gnadenlos heruntergesampelte Beats und gekonnt gegeneinander verstimmte Synthesizer, traurig und aggressiv zugleich. Darüber erzählt die Stimme des Sängers der Budapester Synth-Wave-Band ?j Látásmód Fúzió lethargisch von der Sci-Fi-Melancholie längst vergangener Zeiten. Während viele aktuelle Produktionen, die sich einer ähnlichen Retroästhetik bedienen, oft trocken und farblos bleiben, versetzen uns die KHK Tapes binnen Sekunden in eine fremde Parallelwelt.

favicon

Home / Rezensionen

Text
Chris Sperl

Veröffentlichung
25.12.2012

Schlagwörter


Scroll to Top