Mankind Liberation Front

Automind

Reality

Von einem der auszog, uns das Fürchten zu lehren: Herwig Maurer, Exilösterreicher in L.A., und zwei weitere Mittäter reimportieren jene Version von elektronifizierten Pop, die weder die Liebe zu ausgeklügelter Soundarbeit noch jene zu popformatigem Liedgut bedient. In medias res: Hier bleibt alles flach, das Warten auf ein Aufbäumen ist vergebens. Während Gonzalez, Peaches, Taylor Savvy u.a. in puncto Neudefinition und geschichtsbewusst-eigenständiger Reaktivierung traditioneller Songformen und Inhalte beachtliche Schritte gegangen sind und uns so nebenbei auch wieder die nötigen Starkonzepte inklusive dekadentem Glamour geliefert haben, gehen MLF nach dem Billig-Baukastenprinzip vor: Unsägliche Techno-Beats hier, mal vermeintliche Gitarrenhärte dort. Was an Zitaten vorkommt liegt blank, wird nicht Teil eines Ganzen. Strophe-Refrain-Schema wird brav eingehalten und mit allem behübscht und verziert, was Pop schon immer unerträglich gemacht hat. Das Ganze fließt wie ein Fluss ohne Stromschnellen und Windungen. So würde sich Hubertus von Hohenlohe Elektro-Clash vorstellen, wenn er es bloß tun würde.
Unverzeihlich auch das Cover: Die Gewandung der Musikschaffenden ist von abgehangener Snowboarder-Ästhetik. Wahrscheinlich wollte man futuristisch sein. Und: Keine Ahnung ob am Rücken liegender Musiker in Umarmung ihrer Instrumente als Sujet jemals brauchbar war, in diesem Fall ist es das bestimmt nicht. Zusätzlich verstimmt die grell-peinliche Farbenfreude, die jedem Kitty-Contest zur Ehre gereichen würde. Fazit: Definitiv verunglückt.