Austrian Pulp auf der Viennale 2015

Paul Poet exhumiert Unerhörtes: Die Retrospektive »Aus Fleisch und Blut: Austrian Pulp. Genrekino aus Österreich und Anderswo« – kuratiert von Filmemacher und skug-Autor Paul Poet – zeigt die Verborgenen und Verschmähten der österreichischen Filmgeschichte.

Am 22. Oktober startet die Viennale, das Vienna International Film Festival, mit dem Eröffnungsfilm »Carol« von Todd Haynes. Neben der Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum zum Schwerpunktthema »Animals« und einigen Spezialprogrammen sei vor allem die Retrospektive des Filmregisseurs Paul Poet ans Herz gelegt, der sich erneut auf die Suche nach den – im doppeldeutigen Sinne – unerhörten Filmen des österreichischen Kinos gemacht hat und seine Funde schon seit 9. Oktober im Metrokulturhaus des Filmarchiv Austria präsentiert.

Paul Poet, der bereits das Projekt »Shooting Women« initiierte und damit den unterschätzten Vorreiterinnen des New Austrian Cinema eine längst fällige Öffentlichkeit zukommen ließ, zeigt in 41 Programmen insgesamt 54 Filme des österreichischen Genrekinos. Hier eine kleine Auswahl.

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Michael Synek: »Die toten Fische«

Eine einmalige Gelegenheit

Innerhalb der Viennale wird mit Sergio Martinos Horror-Thriller »Der Killer von Wien« (1971) eröffnet. Besonders erwähnt sei die Weltpremiere von Michael Syneks Film »Die toten Fische« (1989) am 29. Oktober, der 2016 auch in den Kinos starten soll. Eine einmalige Gelegenheit bietet die Vorführung von Walter Bannerts »Die Erben« (1983). Der Polit-Aufreger über jugendliche Neo-Nazis wurde von den Medien verbannt und gelangt nun nach mehreren Jahrzehnten exklusiv am 31. Oktober zur Aufführung. Zwei Frauen in Not zeigt das Programm am 2. November: In dem Stummfilm-Melodram »Frau Dorothys Bekenntnis« (1921) von Mihály Kertész, wohl besser bekannt als Michael Curtiz, wird Dorothy angeklagt, ihren Mann ermordet zu haben. Zuvor wird in Peter Tscherkasskys Vorfilm »Outer Space« (1999) eine Frau von einer äußeren Macht angegriffen, die sich als der Film selbst entpuppt. Found Footage-Filmemacher Peter Tscherkassky wird außerdem anwesend sein.

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Walter Bannert »Die Erben« 

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 Mihály Kertész: »Frau Dorothys Bekenntnis«

Valentin Hitz gehört zu der Generation an RegisseurInnen, die neben dem New Austrian Cinema bestehen und oft übersehen wurden (und werden). »Rat Race« (1998) zeigt die Stärke des heimischen Kinos neben dem »feel bad«-Sozialrealismus und feine Science Fiction aus Österreich. Zur Einführung gibt es »The Shaman« (2015), die Europa-Premiere des nach Japan ausgewanderten Wieners Marco Kalantaris. Die Viennale beschließt am 5. November Virgil Widrichs »Copy Shop« (2001) als Vorfilm zu Rudolf Katschers »Unsichtbare Gegner/Öl ins Feuer« (1933): ein zeitloser Wirtschaftskrimi mit dem wunderbaren Peter Lorre und Oscar Homolka als Verbrechergespann. Und wer dann immer noch nicht genug hat, kann über die Viennale hinaus bis 8. November das Metrokulturhaus besuchen.

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 Valentin Hitz: »Rat Race«

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Sergio Martino: »Der Killer von Wien«

Zu sehen ist die diesjährige Special von Viennale und Filmarchiv Austria von 9. Oktober bis 6. November im Metro Kinokulturhaus. 14 der insgesamt 41 Programme von »Aus Fleisch und Blut« werden im Rahmen der Viennale präsentiert. Die Viennale 2015 läuft von 22. Oktober bis 5. November.