Audiovisuelles bei Sergej Mohntau

Audiovisuell ist der dritte Teil von Te Huur (sprich „Te Hür“, flämisch „zu mieten“), einer Ausstellungsreihe, die sich als mobile Trägerstruktur für Ausstellungen jenseits des institutionellen Kunstbetriebs versteht. Temporär leerstehende Räumlichkeiten werden für Ausstellungen genutzt, die sich auf den konkreten Ort und/oder auf Wechselwirkungen zwischen den Künstlern beziehen.

Audiovisuell thematisiert elektronische Sounds und Möglichkeiten ihrer Umsetzung ins Visuelle. Die künstlerischen Positionen bewegen sich dabei von rein auditiv über audio-visuell zu rein visuell.
Heribert Friedls Soundinstallation hat als Ausgangsmaterial field recordings, Originalaufnahmen von Geräuschen, die vom Publikum zunächst als vertraut wahrgenommen werden. In der Folge werden die Tonsequenzen und -montagen allerdings elektronisch so bearbeitet, dass sie sich durch Filtern und Reduzieren von ihrem Ausgangsmaterial emanzipieren und abstrahieren.
Annja Krautgassers Videos (Sound Radian, shabotinski) nehmen Topoi wie die Metropole der Moderne oder zeitgenössische elektronische Kultur allgemein auf und interpretieren sie in einer geometrisch-abstrakten Bildsprache, die als Matrix der Musik eingesetzt wird.
Michaela Schwentner verwendet für ihre Videoarbeiten (Sound General Magic, Pure, Radian) oft grobkörnige Schwarzweiß-Aufnahmen etwa von einem Bahnhof oder von Wolken, die digital verfremdet oder von geometrischen Strukturen überlagert werden.
Annja Krautgasser und Michaela Schwentner entwickeln – ähnlich wie Heribert Friedl seine Soundinstallationen – ihre Videos aus dem Gegenständlichen heraus, das durch filmische Mittel zunehmend aufgelöst und abstrahiert wird. Die visuelle Struktur wird dabei von einem dialogisch-analytischen Prinzip her begriffen und rekurriert auf Grundfragen elektronischer Musik.
Auch Raphael Mosers auf Aluminium gemalte Serien sind geometrisch-abstrakt: Präzise vertikale Liniengefüge in zurückgenommenen, kühlen Farben sind die Grundbausteine, aus denen er sich rhythmisch überlagernde Strukturen komponiert. Die potenzielle Erweiterbarkeit und die antihierarchische und dezentrale Form der einzelnen, am Computer entworfenen Bilder stellen eine Parallele zur rhizomatischen Struktur digitaler Musik dar.

TE HUUR
bei Sergej Mohntau und Marianne Schreck
Novaragasse 26,1020 Wien

AUDIOVISUELL
Heribert Friedl
Annja Krautgasser
Raphael Moser
Michaela Schwentner

Eröffnung: 2. Juli, 19 Uhr
3.-9. Juli 2003
Soundperformance Heribert Friedl: 9. Juli, 19 Uhr
Öffnungszeiten: tgl 16 – 19/ Sa, So 12 – 16

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