Arthur Russell

»The World of Arthur Russell«

Soul Jazz Records

Dieses erstmals 2004 erschienene und nun wiederveröffentlichte Soul-Jazz-Album hält sich zugute, »die erste kompilierte Werkausgabe« von Arthur Russells Schaffen zu sein. Elf Songs aus einem extrem breiten Spektrum von musikalischen Zugängen, deren bekanntester wohl sein (damals) »avantgardistischer« Zugang zu Disco wurde, die aber auch in Richtung Singer-Songwriter-Kompositionen, Ambient House, Jazz, Klassik oder Country weisen bzw. schwer irgendwelchen Genres zuordenbar sind. Und dann sind da noch die vielen (teils unveröffentlichten) Remixe, die im Laufe der Jahre von vielen seiner Mainstream-tauglichen Songs angefertigt wurden. Die finden sich außer auf diversen Vinyl-Formaten über eine Anzahl von Dance-Compilations verstreut. Die bekanntesten dieser »Mixe«, gemischt von Szenenkumpels, gibt es wohl von »Go Bang«, 1982 auf Sleeping Bag Records unter dem Namen Dinosaur L erschienen, das hier in einem der Francois-Kevorkian-Remixe den Reigen eröffnet. Es folgen das zeittypische, Pop-affine Discostück »Wax The Van«, das 1987 unter dem Namen der Sängerin Lola erschien, und der Larry-Levan-Mix seines wohl bekanntesten Dancefloor-Opus »Is It All Over My Face«, das aus den Loose-Joints-Sessions stammt. Aus derselben Periode (bzw. von denselben Studiomusikern) stammt auch eine weitere Disco-Pop-Perle, »Pop Your Funk« – wobei unter »Disco« hier klarerweise eher die kommerziellen Ränder dieses Genres zu verstehen sind. Womit, will man das sehr freie »Let’s Go Swimming« und auch das mit No-Wave liebäugelnde »In the Cornbelt« dazurechnen, gut die Hälfte der Songs dieser Compilation der funky Avant-Disco-Schiene gewidmet wäre. Aber was heißen solche Zuordnungen schon bei einem Freigeist wie Arthur Russell? Unter seinem eigenen Namen sind eher die introvertierten Singer-Songwriter-Stücke wie das meditativ-repetitive »Keeping Up« (Stimme, Gitarre und Cello) wie auch sehr persönliche, ins Jazzige ausufernde Kompositionen wie »In the Light of the Miracle« erschienen. In all seinem Schaffen blieb der jung verstorbene Komponist, Multiinstrumentalist und Produzent Arthur Russell einer unkommerziellen Haltung verpflichtet – selbst bei seinen auf die Dancefloors gerichteten Werken und gelegentlich zum Verdruss von Musikern und Produzenten. Es ist diese Kompromisslosigkeit, die ihm heute seinen Ausnahmestatus sichert. 26 Jahre nach Arthur Russells Tod gibt es noch immer keine Alternative zu dieser Soul-Jazz-Compilation.