Around The World

Es scheint als hätten sich Labels und KünstlerInnen gegen Ende des Jahres noch einmal ordentlich angestrengt. Anspruch auf das Vorkommen in Worldmusic-Jahresbestenlisten erheben somit unter anderem Tiken Jah Fakoly (Elfenbeinküste), Dona Rosa (Portugal) und Egschiglen (Mongolei).

Dieses Mal beginnt die Reise in einem Land, in dem relativ viele Menschen Deutsch sprechen: In der Mongolei. Das hat sich aufgrund einst bestehender Verbindungen zur DDR ergeben, musikalisch wurde – Gott sei Dank – keinerlei Kulturaustausch betrieben, zumindest ist ein solcher nicht dokumentiert. Mittels ihrer fünften CD dokumentiert die Gruppe EGSCHIGLEN eindrucksvoll ihre Arbeit: Auf »Gereg« (Heaven And Earth/Harmonia Mundi) werden die Weiten und Spiritualitäten des Landes auf poetische, intensive Weise spürbar, Obertongesang versteht sich von selbst. Die meisten Stücke basieren auf Traditionals, ein Mal (»Jaran Zagaan Aduu«) fragt man, wer hier bei wem Anleihen genommen hat: Egschiglen bei Ennio Morricone – oder doch umgekehrt? Im letzten Quartal liegt hier eine der besten Worldmusic-CDs des Jahres vor.
Nicht minder spirituelle Ansätze vermerkt SONI in den Linernotes zu ihrem Album »Red Soil In My Eyes« (World Village/Harmonia Mundi): Die CD möge alle Menschen einander umarmen lassen, wo auch immer sie herkommen. Ein schöner, geradezu weihnachtlicher Wunsch, der musikalisch durch eine herzerwärmende Mischung aus Jazz, World und Pop transportiert wird, der auch die ruhigen Momente nicht fehlen. Für die Wandernde zwischen den Welten Afrika und Nordamerika ist ihre Musik zur Heimat geworden.
Wir blieben in Afrika: Der von der Elfenbeinküste stammende TIKEN JAH FAKOLY liefert mit »The African« (Wrasse/Harmonia Mundi) eine hochintelligente und grossen Spaß machende Grenzüberschreitung: Er setzt sich mit Migration auseinander, »Öffnet die Grenzen« fordert er gleich im zweiten Track, dessen Botschaft aufgrund der zwingenden Hookline noch stärker wirkt. Über den schweren Gang ins europäische Exil singt er in seiner schönen Coverversion von Stings »Englishman in New York«: Daraus wird »Africain En Paris« – auch das mit die Beine bewegendem Reggae. Tolle Scheibe!
Und noch einmal Musik aus Afrika, dieses Mal aus dem Norden des Kontinents. Die schöne junge SOUAD MASSI hat ihr Heimatland Algerien vor sechs Jahren in Richtung Frankreich verlassen, um zum Superstar der Worldmusic-Szene zu werden: Nach nur drei Alben liegt jetzt mit »Acoustic. The Best Of Souad Massi« (Wrasse/Harmonia Mundi) ein Live-Best-Of-Album vor. Wer sensible und kritische Stücke sucht, die von einer starken Stimme getragen werden, ist hier genau an der richtigen Adresse. Beinahe Live-Charakter verströmt das neueste Werk aus dem Hause KOHELET 3: »Kasky« (Extraplatte) macht das, was die Band auch schon bisher praktiziert hat. Kohelet 3 nehmen Traditionalismen aus dem Osten Europas auf und machen ihr eigenes Ding daraus und so haben hier Jiddische Lieder hier genauso einen schönen Platz wie Roma-Weisen. Zum Live-Charakter der CD tragen auch die von Mastermind Ewa Hanushevsky gelesenen drei Märchen bei – so ist die CD wohl auch für Kinder ein nicht zur Vorweihnachtszeit passendes Werk.
Eine weitere Dame hat in diesen Tagen eine hervorragende neue CD vorgelegt: Auf »Alma Livre« (Jaro/Hoanzl) nimmt DONA ROSA den Hörer von den ersten Minute an für sich ein. Dona Rosa führt traditionelle portugiesische Lieder abseits des Fado mit diesem zusammen und heraus kommen dabei Stücke, denen die dem Fado übliche Schwermut fehlt. Die Freundlichkeit der Produktion wird durch zwei durchaus schwungvolle Instrumentalnummern unterstützt. Die Stücke wurden von der tollen Begleitband arrangiert oder gleich selbst komponiert, und einmal ist auch Carlos Gonçalves mit dabei: Er war der Gitarrist von Amália Rodrigues, der wohl grössten Fado-Sängerin aller Zeiten.

Dona Rosa: »Alma Livre« (Jaro/Hoanzl)
Egschiglen: »Gereg« (Heaven And Earth/Harmonia Mundi)
Kohelet 3: »Kasky« (Extraplatte)
Souad Massi: »Acoustic. The Best Of Souad Massi« (Wrasse/Harmonia Mundi)
Soni: »Red Soil In My Eyes« (World Village/Harmonia Mundi)
Tiken Jah Fakoly: »The African« (Wrasse/Harmonia Mundi)

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