Akio Suzuki & Aki Onda

»Ke I Te Ki«

Room40

Nach Wasservögeln klingende Geräusche begrüßen die Hörer*innen, könnten aber auch das Quietschen von Luftballons sein und begleiten einen unterschwelligen, tieffrequenten Brummton. Der Klang von Unterwasser lässt wissen, dass es jetzt tiefer hinab geht. Ein hölzernes Knacken wie von einem Pottwal gesellt sich hinzu. Erst nach einiger Zeit erkennt man Instrumente: Becken, Holzklotz, Murmel, Zauberflöte, Plastiktüte. Der Brummton ist eine Feldaufnahme eines Industrieventilators, die anderen seltsamen Geräusche stammen von einem der vielen selbstentwickelten Instrumente eines der beiden Akteure – wie etwa die Analapos. Die Zauberflöte ist eine Steinflöte und die anderen Instrumente sind irgendwelche diffusen Objekte, die zu dieser überaus experimentellen, aber wegen ihrer vorwiegend nicht-elektronischen Herkunft äußerst organisch harmonierenden Atmosphäre beitragen. Die Szene wurde erschaffen von Klangkunstkapazunder Akio Suzuki und Musiker Aki Onda, in einem historischen New Yorker Gebäude. Historisch, weil: Fluxus-Founder George Maciunas lebte in diesem Raum, Nam June Paik und Shigeko Kubota waren ebenfalls unter derselben Adresse gemeldet. Indem sie nun während des Events verschiedene Mikros im Raum verteilten, erschufen sie Soundscapes, die nicht nur von den verschiedenen Layern der Instrumentierung leben, sondern vor allem vom erzeugten »Raum«, der klanglichen Tiefe, die in den Aufnahmen der drei Songs imposant durchscheint. »Ke I Te Ki« bezeichnet in Japan den Sound eines Alarms. Die Künstler wollen sich vergewissern, dass es weiterzugehen gilt, in welche Richtung auch immer, nur nicht stehenbleiben. Zum Glück haben sie es geschafft, denn ihre Musik klingt frisch, zum Beispiel, wenn sie in »Hi Ka Ri« die interessanten Sounds um elektronische Patterns ergänzen, die dem »natürlich« klingenden Spektrum computergenerierte Komponenten hinzufügen, die mit der Zeit auch ihr »Artifizielles« verlieren und sich harmonisch vereinen. Nichts für den täglichen Gebrauch, aber um ein Essay über ein tiefsinniges Thema oder eine Plattenrezension zu schreiben, eignen sich die anregenden Nummern ideal. Man sollte den Herren mal vorschlagen, ihre Aktionen nicht in hippen Lofts, sondern im Starbucks nebenan zu veranstalten, wo die Jugend auf ihren Macs Schul- und Seminararbeiten tippt. Vielleicht wirkt sich das positiv auf den Inhalt aus, Stichwort Weltrevolution, vielleicht wird aber auch alles nur noch schlimmer.