Adele

»30«

Columbia/Sony Music

Warnung: Dieser Review enthält kein einziges Wort über die neue Platte von Adele. Deren Musik bedarf nämlich keiner Betrachtung, weil es a) jetzt eh alle tun und b) es einfach anerkanntermaßen die beste Musik zum Epilieren oder Barttrimmen ist. Ob das letzte Album also besser ist als das vorvorletzte, bitte beim Blick auf die eigene Körperbehaarung entscheiden. Was hingegen kaum auszuhalten ist, ist die Inszenierung Adeles zum »letzten Menschen« in Hochglanz und als Weltweitphänomen. Plötzlich tauchen an verschiedenen Orten in der Welt Projektionen auf berühmten Bauwerken auf, mit dem Schriftzug »30«. Uhuhuhuhuuuu, wie unheimlich. Gleich mal das Phone zücken und machen, was von einem erwartet wird, und alles schön auf Insta posten. »30« könnte nämlich nach »19«, »21«, »25« das nächste Album des größten Stars aller Zeiten sein, denn die lässt ihre Platten jeweils nach ihrem erreichten Lebensalter benennen, damit auch die Dümmsten kapieren, dass es nur um sie geht. Und wehe, es kommt wer dem Marketing-Koloss in die Quere. Jener australische TV-Ansager musste sich jetzt ganz, ganz groß entschuldigen, weil er Adele »beleidigt« hat. Er hat nämlich »die wichtigste E-Mail seines Lebens« überlesen, in der ihm Sony das neue Album von Adele geschickt hatte. Dann ging der Tunichtgut einfach in das Interview, ohne das neue Album vorher gehört zu haben, und dachte es handle von »Scheidung«, dabei handelt es von »Empowerment«. Puhhh, big mistake! Der selbstsüchtige Reporterwurm suhlt sich nun genüsslich im Dreck der eigenen Schande (die ihm übrigens kräftig Publicity verschafft) und bittet um Verzeihung, dabei hatte er im Interview wirklich gute Fragen vorbereitet: »Wie fühlt es sich an, wenn die wundervollste Stimme der Menschheit aus dem eigenen Mund kommt?« Bärenstarke Frage, die eindeutig belegt, dass ebendiese Menschheit den Verstand verloren hat. Die arme Adele kann dem ganzen Vermarktungswahnsinn und der lächerlichen Unterwürfigkeit vermutlich nur mehr mit Staunen zusehen.