Cul de Sac + Damo Suzuki

Abhayamudra

Strange Attractors Audio House

Am zweiten Mai 2002 entsteigt Damo Suzuki, Ex-Sänger der legendären – und
weder Kraut noch rockenden – Krautrockern Can, einer Maschine am Bostoner
Flughafen und steht nur vier Stunden später mit den etwas weniger legendären
– und weder Post noch rockenden – Postrockern Cul de Sac gemeinsam auf der
Bühne. Sie sehen einander an diesem Abend zum ersten mal, haben noch nie
miteinander geprobt – und ergänzen sich perfekt, nachzuhören am Track
»Cambridge 1«. Doch das war erst der Anfang, danach geht es auf Tournee
durch die Staaten und Kanada und im darauf folgenden Jahr für zwei Monate
nach Europa. Vorliegendes Doppelalbum versammelt auf knapp zweieinhalb
Stunden die besten Momente dieser ???spontanen‘ Konzerte.
Cul de Sac sind derzeit wohl eine der ???universellsten‘ Rockbands. Universell
im Sinne einer hohen Anpassungsfähigkeit, nicht vorhandenen
Berührungsängsten (Improvisation, Filmmusik, Ambient) gepaart mit hohem
handwerklichen Niveau und einer unverwechselbaren Handschrift. Im konkreten
Fall bedeutet dies, dass sich Cul de Sac – vergleichbar vielleicht mit den
Bad Seeds – bei Bedarf (und der war bei dieser Kooperation nicht selten
gegeben) auch im Hintergrund aufzuhalten vermögen, natürlich ohne je zu
einer generischen Begleitcombo zu mutieren (das wäre tatsächlich nichts
weniger als eine Mutation).
Denn das eindeutige Zentrum dieser Auftritte ist unbestreitbar Damo Suzuki.
Er gibt die Richtung vor und lenkt die Stücke, während sich seine Stimme in
den besten Momenten in eine Quelle purer Energie verwandelt. Wie zum
Beispiel in den ersten beiden Tracks, in denen er mantra-artige Vocals in
den von seinen Mitmusikern millimeter-genau gezogenen Bassgrooves versenkt,
und dabei einen dichten Sog erzeugt, der Kraft und Spannung ohne größere
Schwierigkeiten über eine relativ lange Spieldauer von jeweils zwanzig
Minuten halten kann. Weniger gelungen dagegen – aber erfreulicherweise nur
spärlich vorhanden – sind jene Parts, die sich im Bereich von eher
konventionellem ???Jamming‘ abspielen, wobei Melodien und Rhythmen nicht mehr
richtig zwingend werden und Suzuki die Wirkung von vokaler Akrobatik
überschätzt. Denn er ist ein zweifelsohne mitreißender Prediger, aber kein
Phil Minton.