A Perfect Circle

»Eat the Elephant«

BMG

Maynard James Keenan ist zurück, doch noch immer nicht mit einem neuen Album von Tool, auf das nun schon gefühlt seit einem halben Jahrhundert gewartet wird, sondern mit seiner anderen Stadionrockband namens A Perfect Circle, die nun auch schon seit vierzehn Jahren nichts mehr von sich hat hören lassen. Er ist zurück und das ohne den Drummer Josh Freese, der auf den ersten drei Studioalben der Band das Schlagzeug bediente und den Sound entscheidend prägte. Billy Howerdel, der zweite Stammprotagonist, spielt aber weiter melodiös wie erwartet an der Gitarre. Vokalist Keenan hat seine kraftvolle und wandlungsfähige Stimme nicht verloren und belebt mit dem Opener »Eat the Elephant« die dramatisch-schwermütige Weltuntergangsstimmung wieder. Doch zufriedenstellend ist das Ergebnis nicht wirklich. Wo die drei vorangegangenen Alben vor Ohrwürmern nur so strotzten und die Teenagerjahre der Millennials versüßten, haben die Songs auf »Eat The Elephant« nicht dasselbe Hitpotenzial. Die Single »Disillusioned« gibt ein gutes Beispiel für ein anderes Problem, vor dem man immer wieder steht, hört man die wunderbar vorgetragenen und instrumental begleiteten Texte: »we have been overrun by our animal desire / addicts of the immediate keep us obedient and unaware / feeding this mutation / this pavlovian despair« oder »time to put the silicon obsession down / take a look around«. Hätte auch subtiler formuliert werden können. Typischer Fall von »Muss man halt mögen« bzw. für HörerInnen in Teen-Angst-und-Wut-Phase genau das Richtige, um sich seinem Weltschmerz hinzugeben. Der furchtbare Song »So long, and thanks for all the fish« schafft es nicht, mit Humor den verbissenen Ernst ein wenig abzumildern. »Get the Lead out«, Album-Closer, ist ebenfalls schnell vergessen. Immerhin, ein paar Banger sind dabei: »TalkTalk«, »The Doomed«, »By and Down the River« erwecken kurz eine nostalgische Euphorie, lassen mitnicken und klingen einfach gut. Wer sich das Album trotzdem kaufen will, sollte vielleicht darüber nachdenken, bei der Bezahlung an der Kasse des Plattenladens das absurd hässliche Cover (!!) mit dem einer anderen Platte zu verdecken. Empfehlungen dafür finden sich bei skug zuhauf.