A Camp

A Camp

Stockholm

»You took me away. Made Sunday a Saturday. You stained me with Love and left me in dirty Laundry.« Um eins klar zu stellen, wenn es eine wahrhaftige, ehrliche Depressionsband gibt, dann ist es ABBA. Der herzzerreißende Schmerz hinter »The Winner takes it all«, das sanft gehauchte »Fick sie nur weiter. Ich will dich nicht stören«, das in seiner Zögerlichkeit im Discobeat, im Immer-Weiter aufgesetzter Fröhlichkeit absäuft. Nina Persson, als ansehnliche Frontblondine der Cordpopper Cardigans abgekanzelt, will auch gar nicht dahin. Nur weil sie plötzlich schwarz gefärbte Haare trägt, promotet man gleich die Platte zur Monatsmigräne. Dabei hat die Lady das Lasso fest um klar definierte Vorbilder gezurrt: Post-Country goes Indie-Pop, von Waylon Jennings, Kristofferson, Cash und Parton bis zu Wilco, Sexsmith, Souled American. In charmant gemachter Promeniergeschwindigkeit poppt und trällert man von den Big Passions, covert im Vorübergehen Daniel Johnston oder ein Traditional wie »The Bluest Eyes in Texas«. Machen das schlechte Menschen, ganz besonders denen man den »überambitionierte Soloscheiße«-Effekt andichten will? Anders als das gewohnte schwedische Suizid-Tralala, kleiden sich A Camp in sinnlich twangende Herbstfarben. Da darf auch die Liebe mal runtergehen wie Heroin.