Kürzlich, so der ORF, ist »Software von OpenAI in einem Testlauf eigenständig aus einer abgesicherten Umgebung ausgebrochen und drang auf eigene Faust in Systeme der KI-Firma Hugging Face ein.« Dario Amodei (Anthropic/Claude), Sam Altman (OpenAI/ChatGPT) und Elon Musk (SpaceXAI/Grok) befürworten seither eine Verlangsamung der Entwicklung von KI. Trump hat sich dagegen ausgesprochen. Man könne nicht riskieren, hinter China zurückzufallen. Sein Vize J.D. Vance hat erst kürzlich verkündet, er tue »Gottes Werk«, auch wenn es »das Ende der Welt« bringe. Wie soll man diese Situation verstehen, in der die erfolgreichsten Fundraiser unserer Zeit vor ihren eigenen Produkten warnen und gewählte Politiker*innen die Vernichtung der Menschheit willkommen heißen?
Who let the dogs out?
Stellen Sie sich vor, Sie leben in einer Kleingartensiedlung. Einige Ihrer Nachbar*innen beginnen, Assistenzhunde zu züchten und zu trainieren. Die anderen Bewohner*innen der Siedlung sind ihnen dafür dankbar. Denn diese Hunde sind sehr praktisch. Sie erledigen Aufgaben. Sie erleichtern den Alltag. Bei Streit mit Nachbar*innen bellen sie laut und halten andere vom eigenen Grundstück fern. Irgendwann beginnt ein Nachbar aber, seinen Assistenzhund scharf abzurichten. Er trainiert ihn mit einem Elektroschockhalsband und schlägt ihn. Alle wissen: Dieser Hund ist gefährlich. Er hat nur Bedrohungsszenarien kennengelernt und beißt daher alle, die sich ihm nähern. Doch anstatt mit dem Tierquäler zu reden oder das Kampfhundetraining zu unterbinden, fangen einige andere Nachbar*innen auch damit an. Die Hundezüchter*innen behaupten, man könne nur sicher sein, wenn man am effizientesten Kampfhunde abrichte.
Eines Tages reißt sich so ein Köter von der Kette. Er beißt ein Kind. Daraufhin fangen die Kampfhundetrainer*innen an, zu fordern, dass man das Training reguliere. Der Hund sei außer Kontrolle. Sie könnten nichts dafür. Denn alle würden ihre Hunde so trainieren – man dürfe da nicht weniger skrupellos sein. Um sich in der Zwischenzeit zu schützen, könnten Einzelpersonen nur einen Agenten bezahlen, der gleich mehrere Assistenzhunde einsetzt. Die Hunde sollten sich so gegenseitig in einen Blutrausch steigern. Der Vorstand des Kleingartenvereins findet diesen Vorschlag gut und investiert gleich mehr Geld ins Hundetraining. Bald gibt es wieder einen Vorfall. Man müsse nun wirklich aufpassen, sagt die Schockhalsband-Lobby. Wenn es so weitergehe, werde bald der gesamte Kleingarten von blutrünstigen Assistenzhunden überrannt. Diese sich längst »selbsttrainierenden« Hunde könnten bereits in den nächsten Jahren alle Menschen totbeißen. Die beste Art, sich zu schützen, sei aber fürs erste, in einen Kampfhund zu investieren. Übrigens gäbe es da eine neue Hunderasse, die viel blutrünstiger sei als alle zuvor …
Was lernen wir aus dieser Metapher?
Angst und Verunsicherung sind gute Verkaufsargumente. Die Verkündigung der drohenden KI-Apokalypse mit einer »zehnprozentigen Wahrscheinlichkeit« bis 2030 nützt derzeit vor allem autoritären Kräften. Entsprechend müssen wir gemeinsam ein Verständnis der Situation formen, Alternativen entwickeln und vermitteln. Es gilt, die Möglichkeiten, Chancen und Risiken digitaler Mittel auszuloten. skug ist deshalb am kommenden Freitag und Samstag, dem 18. und 19. September 2026, Teil des Lernforums Digital Tools4Democracy am WU Campus (Welthandelsplatz 1, 1020 Wien). Im Workshop »Parlament oder Prompt? Wenn KI Politik zitiert« spielen wir das von uns mit Unterstützung der EU und ProEuropean Values entwickelte Spiel »Kollektive Intelligenz«.
Link: https://proeuropeanvalues.at/event/lernforum-digital-tools4democracy/











