Was kann man über die Strokes sagen, das noch nicht gesagt wurde? Legenden-Status haben sie schon seit ihrem Debüt »Is This It« 2001; dass sie es auch als inzwischen Männer mittleren Alters immer noch können, haben sie mit ihrem letzten Album »The New Abnormal« 2020 eindrücklich bewiesen, gemeinsam mit Produzentenlegende Rick Rubin, der auch bei diesem Album wieder dabei ist. Frontman und Sänger Julian Casablancas hat öffentlich gesagt, dass die Strokes für ihn mehr aus finanziellen Gründen bestehen als aus kreativen. Was also ist die Mission des neuen Releases »Reality Awaits«? Bereits die Singles »Going Shopping« und »Falling out of Love« spalteten die Fanbase bezüglich eines sehr markanten Stilmittels, das den Sound des ganzen Albums prägt: Autotune auf den Vocals von Casablancas. Nun ist Autotune 2026 auch nichts Neues oder Provokantes mehr, auch nicht im Indie-Rock-Segment. Aber dieses Autotune hat nicht den Anspruch, angenehm zu klingen, vielmehr soll es reiben, etwas off klingen und provozieren, auch die eigene Fanbase. »Reality Awaits« will an fast keinen Stellen gefallen, es existiert mehr als Selbstzweck, es wirkt fast so, als würde Casablancas ausloten, womit er bei seinen Fans gerade nicht mehr durchkommt, sodass sie ihn endlich nicht mehr mögen und in Ruhe lassen. Auch bedient er in den Texten des Albums immer wieder ein Opfernarrativ und disst sogar andere Künstler wie The Weeknd, John Legend und den beliebten Musikjournalisten Anthony Fantano. Immer wieder werden in den Songs auch gegenwartsrelevante Themen wie KI oder das Comeback des Autoritarismus behandelt. Besonders spannend ist der Album-Closer »Tyrants of the Mellow Moon«, ein Song der wie schon »Ode to the Mets« auf dem vorherigen Album den gegenwärtigen Status der Band besingt. Es klingt tatsächlich so, als könnte das der letzte Streich der Strokes gewesen sein, zumindest bis das Geld wieder knapp wird. »So we go for one more ride / And that’s okay ’cause I did my time / But now I wait for another chance / When I will take everything I can«. »Reality Awaits« ist ein Mittelfinger gegen so gut wie alle/s, auch gegen sich selbst. Casablancas provoziert mit Text und Stilmitteln, gibt den Fans nur sehr vereinzelt, was sie wollen; hin und wieder finden sich gelungene Momente, die das Album trotzdem hörenswert machen. Aber wenn das wirklich das letzte Lebenszeichen der Band war, dann wäre »The New Abnormal« ganz sicher der elegantere Austritt gewesen, nur darauf hatten die Strokes scheinbar keine Lust.
The Strokes
»Reality Awaits«
RCA Records/Sony
Unterstütze uns mit deiner Spende
skug ist ein unabhängiges Non-Profit-Magazin. Unterstütze unsere journalistische Arbeit mit einer Spende an den Empfänger: Verein zur Förderung von Subkultur, Verwendungszweck: skug Spende, IBAN: AT80 1100 0034 8351 7300, BIC: BKAUATWW, Bank Austria. Vielen Dank!











