Fanfare Ciocărlia © Arne Reinhardt/Asphalt Tango
Fanfare Ciocărlia © Arne Reinhardt/Asphalt Tango

Global Sounds in Krems

Das Festival Glatt & Verkehrt feiert sein 30. Bestandsjahr mit fulminanten Déjà-vus – reichend von den Finn*innen Värttinä bis zur unverwüstlichen Blasmusik-Rasanz der rumänischen Roma-Kapelle Fanfare Ciocărlia.

Kontinuität prägt das Kernprogramm des Festivals Glatt & Verkehrt, das von 22. bis 26. Juli über die Bühne der Winzer Krems gehen wird. Kontinuierlich meint stete Wiederkehr, jedoch nicht des Gleichen, sondern eine programmatische Breite mit Stilvielfalt und -brüchen. Traditionell wurde in den letzten Jahren das Schloss Spitz bespielt, was 2026 nicht möglich war. Deshalb kehrte man fürs Vorprogramm in den Klangraum der Minoritenkirche Krems ein, wo etwa die Göttweiger Sieben, Referent*innen der vom Festival initiierten Musikwerkstatt, am 11. Juli anlässlich des runden Jubiläums ein Konzert gaben. 

Der künstlerische Leiter Albert Hosp, im Hauptberuf Gestalter von Ö1-Sendungen, bürgt auch für ein ansehnliches Rahmenprogramm, das im Wirtshaus Salzstadl mit den Liedermacher*innen Valentin Lichtenberger und Valerie Costa sowie Phoebe Violet Einzug hält. Diese »Tafelmusik«-Konzerte sind längst ausverkauft. Ebenso jene in der Ursulakapelle. Dort bietet Asja Valčić, die u. a. im radio.stringquartet und im Duo mit Klaus Paier spielt, mit ihrem Violoncello Intimes aus ihrem Soloalbum »Inner Voice« dar und außerdem »horcht« Bertl Mütter mit seiner Posaune »den Raum ab«.

Júlia Kozáková  © Ondrej Irsa

Hauptprogramm bei Winzer Krems 

Aufbruch in die Sandgrube 13, wo bereits drei Konzertabende ausverkauft sind, etwa am Mittwoch, dem 22. Juli mit den englischen Folk und irischen Soul kombinierenden Ríoghnach Connolly & Honeyfeet sowie im Anschluss den Strottern, die mit Blech ihr ebenfalls 30-jähriges Jubiläum zelebrieren. Am Freitag, dem 24. Juli klingen die südkoreanischen Musikerinnen des Trios Hilgeum auf traditionellen Instrumenten hypnotisierend neu und Shake Stew, die auch schon zehn Jahre existieren, präsentieren die Flötistin Naïssam Jalal. Und am Sonntag, dem 26. Juli sorgen die Legenden Värttinä und Fanfare Ciocărlia für Furore.

Weit gefehlt, wer glaubt, nun alles versäumen zu müssen. Dem ist nicht so, weil es seit 1997 eine Kooperation mit Ö1 gibt: Teils werden die Konzerte live übertragen, teils aufgezeichnet. Immerhin, für den spannendsten Tag, Donnerstag, den 23. Juli, gibt es noch Restkarten. Und zwar für »Manuša«, das Projekt der Sängerin Júlia Kozáková mit Roma-Musik von Osteuropa bis Belgien, und für das Omniversal Earkestra, ein Berliner Ensemble, das mit Gästen aus Mali die fantastischen Big Band Sounds aus den 1970er-Jahren des Sahel-Staates hochleben lässt. Außerdem gibt es noch Tickets für Samstag, den 25. Juli. Die Vokalistin Anja Obermayer aka Anja Om stellt ihr neues Quintett Von Dietrich, benannt nach ihrer Großmutter mütterlicherseits, vor und Ëda Diaz verknüpft mit ihrem elektrischen Kontrabass in ihrem Quartett Jazz und kolumbianische Volksmusik auf eher betuliche Weise. 

Fazit: Während etwa das Donaufestival Krems zu viele Acts präsentiert, tut eine Budgetkürzung dem Festival-Line-up von Glatt & Verkehrt eigentlich gut. Statt einer Qual der Wahl und Überschneidung mit anderen Programmpunkten ist stressloses Genießen angesagt. Weniger ist mehr.

Link: www.glattundverkehrt.at

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