© Grafik: Michael Messer, Martina Trepczyk

Salon skug × Forschungskreis Phänomenologie: Talk, Konzert & DJ-Line

skug hat mit dem Forschungskreis Phänomenologie der Universität Wien für den 1. und 2. Oktober 2026 ein zweiteiliges Workshop-Programm auf die Beine gestellt. Am Freitagabend laden wir zum Salon skug in den Central Garden am Donaukanal – mit hochkarätigem Panel, Punk Noir und Partystimmung.

Der Krieg ist längst im Herzen Europas angekommen. Er ist konstant in Nachrichten und Tischgesprächen präsent. Über 40 % der Europäer*innen halten es, so eine YouGov-Studie aus 2025, für wahrscheinlich, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre der Dritte Weltkrieg ausbricht. Das sagt wenig darüber aus, wie wahrscheinlich es ist, dass tatsächlich ein globaler militärischer Konflikt auftritt. Sehr wohl zeigt es eines: Man kann gerade mit der Möglichkeit eines Weltkrieges Politik machen.

Starten wir ein Gedankenexperiment: Was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass du noch zwei Jahre bis zum Beginn des blutigsten Krieges der Menschheitsgeschichte hättest? Welche policies würdest du unterstützen? Vermutlich würden sich deine Prioritäten verschieben. Du würdest aufrüsten. Du würdest in kritische Infrastruktur investieren. Du würdest Klimaschutz hintanstellen. Sozialmaßnahmen kürzen. Kunst und Kultur würden nicht völlig wegespart, aber eingeschworen auf ihre Propagandafunktion. Krieg braucht Unterstützung. Krieg muss von einer Gesellschaft getragen werden. Die Möglichkeit eines bewaffneten Konfliktes ist in ihren Auswirkungen real – auch wenn das Bedrohungsszenario nie eintritt.

Um diese Situation zu analysieren, haben wir ein besonderes Programm auf die Beine gestellt. Denn sie erfordert einerseits wissenschaftliche Analyse und Feingefühl, andererseits Diskussionen on the ground und den Willen zur Vereinfachung. Es braucht Wissenschaftler*innen, Journalist*innen, Aktivist*innen – und Menschen wie dich. skug kooperiert deshalb mit dem Forschungskreis Phänomenologie der Universität Wien und hat für den 1. und 2. Oktober 2026 ein zweiteiliges Workshop-Programm (mit-)organisiert.

Teil 1: »Tausend Fronten. Kritische Phänomenologien des Krieges«

Der erste Teil des Workshops findet am 1. und 2. Oktober 2026 im Neuen Institutsgebäude der Universität Wien statt und richtet sich primär an ein akademisch gebildetes Publikum. Das Programm und alle Speaker*innen findet ihr hier. Die Grundidee ist jedoch einfach: »Krieg« ist nicht nur etwas, das zwischen Staaten abläuft. Es ist nicht nur etwas, das in Schützengräben und Militärstützpunkten passiert. Krieg hat viele Gestalten.

»Der Workshop«, so der Forschungskreis Phänomenologie, »setzt sich zur Aufgabe, die mannigfaltigen Weisen, wie Krieg herrscht und droht, wie er in den (insbesondere westlichen) ›mentalen Habitus‹ eingegangen ist und sich institutionell verkörpert, phänomenologisch zu analysieren. Anhand konkreter Phänomenanalysen relevanter Erfahrungsräume und ihrer Verkörperungen sowie symbolischen Institutionen soll gezeigt werden, auf welche Art und Weise ›Krieg‹ bzw. ›war-like violence‹ sich in verschiedensten Formen in menschliche Lebenswelten und social imaginaries einschreiben, ja diese immer schon prägen.«

Krieg hat tausend Fronten. Er hat genauso mit Feminismus zu tun wie mit Geografie und Gewaltgeschichte. Er ist eine Schablone, die im »war on obesity« oder im »war on drugs« ebenso wirksam ist wie in Fragen der Identitätsfindung.

© Grafik: Michael Messer, Martina Trepczyk

Teil 2: Krieg und »Kulturkämpfe«

Zeigt der erste Teil des Workshops, dass Krieg mit unserer Lebenswelt zu tun hat, sie prägt und mitformt, so wollen wir im zweiten Teil fragen, wie er sich konkret auswirkt. Wir haben uns deshalb die Aufgabe gestellt, komplexe akademische Debatten zu öffnen – und euch einzuladen, mitzumachen. Krieg ist auch eine demokratische Herausforderung und allein deshalb keine reine Expert*innen-Diskussion. Deshalb laden wir am Abend des 2. Oktober 2026 zum Salon skug in den Central Garden am Donaukanal (Untere Donaustraße 41, 1020 Wien). Ab 19:00 Uhr eröffnen wir dort unser Panel mit den Speaker*innen des ersten Workshop-Teils. Hier nur ein Teaser: Mit Olga Shparaga und Burkhard Liebsch werden uns zwei hochkarätige Gäst*innen die Ehre erweisen.

Burkhard Liebsch ist Prof. Dr. i. R. für Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum und hat bahnbrechende Arbeiten zu Gewalt, Krieg und Sozialphilosophie verfasst. Allein die Liste seiner Monografien würde diesen Artikel sprengen. Das zweibändige »Einander ausgesetzt – Der Andere und das Soziale« (Alber 2018) ist vielleicht sein Opus Magnum. Besonders relevant für unser Thema sind aber »Radikalität und Zukunft des Krieges« (Nomos 2021) und das mit Bernhard H. F. Taureck ko-verfasste »Drohung Krieg« (Turia + Kant 2020). Darüber hinaus verfasst Liebsch manchmal Kommentare für »Die Zeit« oder »Blätter für deutsche und internationale Politik«.

Olga Shparaga bezeichnet sich selbst als »philosopher in exile«. Die gebürtige Belarussin war in ihrer ehemaligen Heimat politisch aktiv und gilt als Vordenkerin der Proteste im Sommer 2020. Dort hat sie mit anderen Frauen die Fem-Gruppe der belarussischen Opposition gegründet – und wurde mehrmals festgenommen. Nach einer Verurteilung in Abwesenheit ging Shparaga ins Exil. Sie absolvierte seither diverse Forschungsaufenthalte und Gastprofessuren, u. a. 2024/25 am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. 2024 erhielt Shparaga den Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz der Universität Potsdam. Auf Deutsch erschienen ist von ihr »Die Revolution hat ein weibliches Gesicht. Der Fall Belarus« (Suhrkamp 2021).

Der Aufhänger unserer Diskussion: Krieg und »Kulturkämpfe«. In unserer Artikelserie ABC der »Kulturkämpfe« versuchen wir aktuell aufzuzeigen, inwiefern Kriegslogik bereits Einzug in Schulen, Fitnessstudios und Fanclubs gefunden hat. So verorten rechte Akteur*innen die Frage, ob Drag Queens aus Kinderbüchern vorlesen dürfen, als Teil eines »culture wars« im Herzen der »abendländischen Zivilisation«. Der bewaffnete Konflikt zwischen Staaten ist innerhalb dieses Verständnisses ein Sonderfall eines verallgemeinerten Krieges. Was steht dabei auf dem Spiel? Was können wir angesichts dessen tun? Und was von anderen lernen? Bei skug widmen wir uns diesen brennenden Fragen – so auch am 2. Oktober ab 19:00 Uhr beim Salon skug im Central Garden.

Wenn du Frieden willst, bereite Feiern vor!

Weil Krieg nicht gerade ein leichtes Thema ist, ist es umso wichtiger, danach zu feiern. Mit Parole betritt eine Band die Bühne, um den sogenannten Punk Noir zu erfinden, weil selbst der Verfall längst müde geworden ist. Sie versprechen: »rockige Riffs«, »balladenhafte Zurückhaltung« und »seriöse Unverschämtheit« – und dann ist der Bierdeckel auch schon voll. Mit Wiener Bohème-Pathos, das man ja unbedingt will, um die graue Tristesse des eigenen Alltags mit quasigefährlichem Melancholieglanz zu unterzuckern und also eine sehr gute Zeit zu haben. Außerdem danach: Spur: B. Schallplatten. Schöne Stunden. Bis dann nach Dub-Techno und Jungle-Revival die Lichter angehen. Irgendwann. Wie immer gilt: Freie Spende, frohe Leute. Wir freuen uns auf euch!

Unser Diskursprogramm ist möglich dank einer Förderung der ERSTE Stiftung.

favicon

Unterstütze uns mit deiner Spende

skug ist ein unabhängiges Non-Profit-Magazin. Unterstütze unsere journalistische Arbeit mit einer Spende an den Empfänger: Verein zur Förderung von Subkultur, Verwendungszweck: skug Spende, IBAN: AT80 1100 0034 8351 7300, BIC: BKAUATWW, Bank Austria. Vielen Dank!

Ähnliche Beiträge

Nach oben scrollen