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Dead Pioneers

»Wagon Burner«

Hassle Records

Das dritte Album der Dead Pioneers ist der passende Punk-Beitrag zum 250. Geburtstag der USA. »Wagon Burner« ist genau der Rundumschlag gegen Amerika unter Trump geworden, den viele aus der Punk-Szene in dieser Deutlichkeit bisher schmerzlich vermisst haben. Gleich im Intro »Dead Presidents« gibt Sänger Gregg Deal eine Grundsatzerklärung ab, was er so von der offiziellen Erinnerungskultur hält. Der ist definitiv nicht gekommen, um Denkmäler von historisch wirkmächtigen Arschlöchern bloß um 3,5 Grad zu kippen! Wenn der bildende Künstler, Spoken Word Artist und Aktivist für Indigenenrechte, um dessen Texte sich die Songs der Dead Pioneers ursprünglich formierten, die Fäuste ballt, dann fallen reihenweise »Nazi Teeth« aus den »White Power Faces«. Schlagkräftig unterstützt werden die Dead Pioneers von der Riot-Grrrl-Band Cheap Perfume, die 2016 ihrerseits einen Song namens »It’s OK To Punch Nazis« veröffentlicht hatten. »No Kings, No Masters!« lässt an Deutlichkeit ebenso wenig zu wünschen übrig. Eine würdige, wütende Protesthymne, die mit druckvoll treibendem Post-Punk aufwartet. Diese musikalische Erweiterung in Richtung zeitgenössischer Post-Punk steht den Dead Pioneers sehr gut. Während die Idles bereits als Support der Foo Fighters durch die sommerlichen Stadien ziehen, könnte sich auch den Dead Pioneers mit diesem Sound ein größeres Indie-Publikum erschließen. Man höre nur das anglophile »Animals That Roam the Earth«. Auch der eingängige Refrain von »Never Alone« schreit so richtig nach großen Konzertformaten. Zu dieser Solidaritätsbekundung mit Opfern queerfeindlicher Gewalt wurden The Interrupters, Lieblingsband von Gregg Deals queerem Kind Sage, eingeladen. Und dann gibt es da noch einen besonders prominenten Gastauftritt. In »The Worst Among Us« taucht Jason Williamson von den Sleaford Mods auf. Der nächste Hit! Es tut ja so gut, zu sehen und zu hören, wie transatlantische No-Bullshit-Bündnisse tatsächlich funktionieren können. Dass die Dead Pioneers auch den klassischen US-Hardcore-Sound nicht gänzlich hinter sich gelassen haben, ist ebenfalls ein Grund für Lobpreisungen dieses Albums. Wenn ein Song »Circle Jerk The Wagons« heißt und mit einem Riff loslegt, dass an MDCs »Multi Death Corporations« oder Hüsker Düs »Biggest Lie« erinnert, brennen nicht nur die Wagen der Pioniere, sondern auch Old-School-Herzen. Apropos: Gitarrist und Gewerkschaftsaktivist Abe Brennan ist seit einiger Zeit auch Sänger der revitalisierten R.K.L. Eine gemeinsame Tour der Dead Pioneers mit den legendären Rich Kids on LSD? Man darf noch Wünsche haben.

Home / Rezensionen

Text
Peter Kaiser

Veröffentlichung
29.06.2026

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