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De Vlaamse Primitieven

»Brandstichters En Oplichters«

Dropa Disc / Carbon Records

Vor etwas über einem Jahr haben De Vlaamse Primitieven, ein belgisches Duo, das allerlei Saiteninstrumente spielt, ihr Debütalbum vorgelegt und damit in ihrer Szene einiges an Aufsehen erregt. Diese kleine Welt wird bevölkert von Freaks und Sonderlingen, die sich in aller Regel zu vorgerückter Stunde in abgedunkelten Räumen zusammenfinden, um ihren randständigen Neigungen und partikularen Interessen nachzugehen – zum Beispiel besuchen sie Konzerte wie das von Freek Vreys und Jan Boudart, das im Mai 2025 in Antwerpen im Dropa-House über die Bühne ging und jetzt als Live-Album vorliegt. Mit Banjo, 6- und 12-saitiger Gitarre, Glöckchen, Zither und weiteren sachte zum Einsatz gebrachten Klimper- und Rappelinstrumenten haben sie improvisiert und zur großen Begeisterung aller Anwesenden ihre hypnotisch-meditative Musik aufgeführt. »Brandstichters En Oplichters« dokumentiert diese gut 40-minütige Session. Gut so. Jetzt für alle, die nicht so nah dran sind und nur Bahnhof verstehen, nochmal anders angesetzt: Die instrumentale Musik des belgischen Duos kann als psychedelischer Folk eingeordnet werden, dessen alchemistische Rezeptur vielen sehr unterschiedlichen Zutaten zu verdanken ist: Man koche sinisteren britischen Folk à la Third Ear Band auf und verrühre ihn mit amerikanischem Minimalismus der Marke Henry Flynt, mische dann zusätzlich American Primitive aus dem Hause John Fahey unter und gebe – je nach Geschmack – anschließend noch etwas New Age nach Art des Master Wilburn Burchette oder mild bekiffte Albernheiten frei nach Witthüser & Westrupp hinzu sowie zum Abrunden ein bisschen Spiritual Jazz – fertig ist die bewusstseinserweiternde musikalische Tinktur, die, wohldosiert in die Ohren geträufelt, leicht betäubend und dennoch anregend wirkt! Dem Album liegt zwar kein Beipackzettel mit Inhaltsstoffen bei, aber so kommt sie ungefähr zustande, die experimentelle Musik von De Vlaamse Primitieven. In der Aufführung ihrer akustischen Zaubereien erwiesen sie sich in der Vergangenheit nicht nur bei der hier dokumentierten Aufnahme als große Unterhaltungskünstler, die ihr Publikum zu fesseln verstehen. Eine Zeit lang wollten sie es wissen und hinterließen bei jeder sich bietenden Gelegenheit begeisterte Eindrücke – sowohl in musikalischer Hinsicht als auch durch ihr exzentrisches und humorvolles Auftreten. Auf diese Weise erspielten sie sich binnen kurzer Zeit eine kleine, aber feine Fangemeinde. Die erhält nun mit »Brandstichters En Oplichters« ein hochwertiges Artefakt fürs Archiv. Wie und in welchem Tempo es für De Vlaamse Primitieven weitergeht, wird die Zukunft zeigen. Ich hoffe, da kommt noch mehr, denn das virtuose Duo bringt Außerordentliches zustande, wenn es zu seinen Instrumenten greift. Ihre kreative Dynamik, einerseits eine Tendenz zur Transzendenz, die in sehnsüchtigen und weltflüchtigen Melodien zum Ausdruck kommt, und andererseits ihre stets leicht beschwipste Herangehensweise, mit der die sakralen Gesten wieder eingefangen werden und sowohl die Musik als auch ihre Aufführung eine diesseitsbezogene Wendung erfahren – das macht ihnen so leicht niemand nach. Kurz gesagt, sie haben den Dreck der Straße unter den Fingernägeln ihrer zum Himmel gereckten Hände: »Gimme dat ol’ time religion!« 

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