a0817400763_16
The Messthetics and James Brandon Lewis

»Deface the Currency«

Impulse!/Universal

Vier, die sich verstehen. Für den ebenso vielbeschäftigten wie vielbejubelten Tenorsaxofonisten James Brandon Lewis ist die Zusammenarbeit mit The Messthetics zu einer willkommenen Konstante geworden. Nach erfolgreichen Touren, die das Quartett mit seinem Debüt im Gepäck u. a. auch zum Jazzfest Saalfelden im August 2024 geführt hat, ist nun das zweite gemeinsame Album auf Impulse! erschienen. »Deface the Currency« zeigt Lewis und das Trio der Ex-Fugazi-Rhythmusgruppe Joe Lally und Brendan Canty plus Gitarrist Anthony Pirog erneut als bestens eingespielte vierköpfige Einheit. Virtuos, keine Frage. Allerdings streckenweise auch recht konventionell komponiert, weshalb auf Albumlänge die Spannung für mich immer wieder verloren geht. Pirogs Gitarrenstilmix nervt bisweilen mit allzu frickelig friktionsfreien Griffbrettläufen. Zu viel John McLaughlin statt den einst gecoverten Sonny Sharrock gehört? Wer es, so wie ich, entschieden kratzbürstiger mag, kann aufatmen, wenn improvisiert wird; wenn Pirog der Gitarre Feedback und Lewis dem Tenor rauere, kehligere Töne entlockt. Das passiert zwar schon kurz im Opener, der als Titeltrack etliche Elemente des Albums vorwegnimmt. Das freiere Zusammenspiel ohne jazzrockigen Sicherheitsgurt entfaltet sich aber erst im fünften Track, der ironischerweise »Universal Security« heißt. Davor überzeugt »30 Years of Knowing« mit lässig entspanntem Groove. »Clutch« hingegen rockt hymnisch, hinterlässt dabei jedoch einen etwas schwerfälligen Eindruck. Sei’s drum. So richtig in Fahrt kommt das Quartett nochmals im letzten Track »Serpent Tongue (Slight Return)«. In ursprünglicher Version auf dem Messthetics-Debüt von 2018 erschienen, hat sich die »gespaltene Zunge« live zu einem furiosen siebenminütigen Closer entwickelt. Das ist Jazz Punk – und in seiner Intensität als »Slight Return« auch eine schöne Referenz an Hendrix’ »Voodoo Child (Slight Return)«. Beim nächsten Mal bitte gerne mehr davon in Albumlänge. 

favicon

Unterstütze uns mit deiner Spende

skug ist ein unabhängiges Non-Profit-Magazin. Unterstütze unsere journalistische Arbeit mit einer Spende an den Empfänger: Verein zur Förderung von Subkultur, Verwendungszweck: skug Spende, IBAN: AT80 1100 0034 8351 7300, BIC: BKAUATWW, Bank Austria. Vielen Dank!

Nach oben scrollen