4 Monate. 3 Wochen und 2 Tage

Ein Film über eine illegale Abtreibung im Rumänien der späten 80er-Jahre gewann 2007 eine Goldene Palme in Cannes. Cristian Mingiu setzt eine nicht unterhaltsame Geschichte in spröde, aber eindringliche Bilder um. Ein Low-Budget-Meisterwerk aus dem Südosten Europas.

In den letzten Jahren haben Filme aus Rumänien auf sich aufmerksam gemacht. Man denke an Christi Puius »Der Tod des Herrn Lazarescu« oder »12:08 östlich von Bukarest« von Corneliu Porumboiu. Als Unsentimentaler Realismus könnte der Stil dieser Filme bezeichnet werden. Gänzlich unsentimental geht Cristian Mingiu sein Filmthema an. Er beschreibt Vorgänge im noch kommunistischen Rumänien, ein paar Jahre vor dem Ende des Ceausescu-Regimes ohne (N)Ostalgie, sondern trist, zeigt die Härte des Alltags im Realsozialismus. Abtreibung war in dem osteuropäischen Land seit 1966 verboten, Verhütungsmittel gab es nicht – der Diktator wollte ein starkes Land mit zahlreichen Untertanen. Vermutlich ließen Millionen Frauen unerwünschte Schwangerschaften durch illegale Abtreibungen abbrechen.

Ein Beispiel von vielen

Otilia (Anamaria Marinca) und Gabita (Laura Vasiliu) teilen sich ein Zimmer im Studentenheim, sie sind Freundinnen und Otilia wird der schwangeren Gabita bei der Abtreibung zur Seite stehen. Otilia organisiert ein Hotelzimmer und trifft sich mit dem Arzt (Vlad Ivanov), der den Eingriff vornehmen soll. Der Mann heißt (oder nennt sich) pikanterweise Dr. Bebe und erweist sich als abgebrühter Erpresser. Als sich herausstellt, dass Gabita schon im 4. Monat schwanger ist und nicht im 3., wie sie angegeben hat, verlangt er eine Geldsumme, die die Studentinnen nicht besitzen. »Kulanterweise« will er die Abtreibung zum vereinbarten Preis durchführen, wenn ihm die beiden jungen Frauen sexuelle Dienste erweisen.

Keine Künstlichkeit

Mingiu verzichtete auf Kamerastativ, Steadycam, Kranfahrten und ähnliche technische Ausstattung und drehte nur mit Handkamera, um einen möglichst realistischen, fast homevideoähnlichen Effekt zu erzielen. Gedreht wurde an Originalschauplätzen, also einem richtigen Hotel, Studentenheim usw. Der Regisseur verabscheut künstlichen Sets. Texte wurden solange geprobt bis sie wie Alltagssprache klangen (den Film sollte man sich möglichst in Originalfassung ansehen). Die Kamera begleitet die Figuren oft in sehr langen Einstellungen, die Erzählung ist stets bei ihnen, ohne ihnen nahe zu treten.

»4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage« – 4 luni, 3 septamini si 2 zile (R: Cristian Mungiu; Rumänien 2007)
Seit 25.1.2008 in österreichischen Kinos

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