JÜ © Benjámin Szabò
JÜ © Benjámin Szabò

Zwischen Rudolfsheim und Balaton

Zwei Bands, zwei Vergangenheiten. Mit der ungarischen Band JÜ und dem Wiener »Tschuschenkollektiv« Soda & Gomorra kommt am Freitag, den 14. September 2018 geballte Männlichkeit ins Celeste.

In guter Gesellschaft lebt es sich bedeutend leichter. Darum bleibt man bei Rare Noise Records fast immer unter sich. Rund vier Dutzend Künstler und Bands hat das 2008 von Eraldo Bernocchi gegründete Label mittlerweile aus der Taufe gehoben. Arrivierte Namen wie Mats Gustafsson, Merzbow und Keiji Haino sagten dem Label in der Vergangenheit genauso ihre Musik zu wie junge Namen auf dem Weg nach oben. Sie alle eint das Geschlecht. Aber das ist in der Avantgarde-Szene längst kein Geheimnis mehr. Wer über das eklatante Geschlechterungleichgewicht hinwegsehen kann, findet im Label-Repertoire und darüber hinaus begnadete Musiker. Nur eben keine Frauen.

Mit der Band JÜ kommen in dieser Hinsicht keine neuen Einflüsse dazu. Dem dreiköpfigen Männerbund aus Ungarn gelang im Jahr 2014 gemeinsam mit dem Saxophonisten Kjetil Møster ein beachtliches Erstlingswerk. Vier Jahre später und um ein zweites Album erfahrener besinnt man sich auf die ursprüngliche Dreigliederung der Formation. András Halmos sorgt für reichlich Krach am Schlagzeug, Ernő Hock entschweben knietiefe Frequenzen jenseits hörbarer Grenzen und Ádám Mèszáros ist auch nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen. Er beherrscht sein Saiteninstrument abwechselnd im Stile eines virtuosen Jazz- und Stoner-Rock-Gitarristen. Kein Fehler, denn die Musik der Band entlehnt sich auf ihrem im letzten Jahr erschienen Album »Summa« zu ähnlichen Anteilen aus frei improvisiertem Blues, Jazz und einer schleppenden Gangart des Rocks. »Avant-Prog-Punk« nennt man das in der Budapester Jazz-Szene. Wir wollen uns daran erinnern, wenn das Trio am Freitag, dem 14. September 2018 im Celeste aufspielt.

Den Support an diesem Abend gibt übrigens die in Wien gegründete Band Soda & Gomorra. 2016 von Aleksandar Marković und Mikal Maldoror gegründet, ist die Formation mittlerweile um drei Musiker reicher und damit auch gleich drei Mal so laut geworden. Das kommt der schrammelnden Soundästhetik durchaus zugute. In ihren Musikvideos thematisieren sie die jugoslawischen Wurzeln, auf der Bühne macht man ganz sicher auch keinen Hehl daraus. Wieso auch? Räudig dahingegrölte Texte mit Bläserbegleitung und eingängigen Gitarrenriffs haben wir auf deren Songs »Tschusch«, »Tut mir leid« und »Hundescheiße« schließlich schon bestaunen dürfen. Live funktioniert das ohnehin noch einmal besser.

Live: JÜ (Budapest), Soda & Gomorra (Wien)
Freitag, 14. September 2018, ab 20:00 Uhr
Celeste, Hamburgerstraße 18, 1050 Wien

Link: https://www.facebook.com/events/241853176543611/

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