Zement

»Schleifen«

Sunhair Music

»Two Cool Rock Chicks Listening To Neu«, das haben Philipp Hager und Christian Büdel, die Zwei von Zement, auch gemacht und Ciccone Youth ist ihnen ebenfalls nicht fremd, wohnen die beiden doch zwar in Mittelfranken, aber keineswegs hinterm popkulturellen Mond! Dass »Schleifen«, ein Live-Album von Zement, sehr deutliche Anleihen bei einschlägig bekannten Space- und Krautrockbands wie Neu!, Harmonia und (in den wilderen Momenten) Hawkwind nimmt, ist hiermit also angemerkt – und damit ist längst nicht alles gesagt, im Gegenteil: Dass sie wissen, was sie tun, ist ja nicht die schlechteste Voraussetzung dafür, dass es ihnen auch gelingt. Handwerklich gibt es folglich auch nix zu beanstanden, die freundlich-sonnige und ins Kraut schießende Psychedelia des Duos ist fachgerecht zusammengeschraubt und fällt auch während zehnminütiger intensiver Bearbeitung durch Gitarre, Effekte und Schlagzeug nicht auseinander. Die beiden Zementmischer haben ihre Hausaufgaben gemacht, natürlich! Musiker*innen sind ja auch Fans – und Menschen! Wer hätte das gedacht!? Und mit dieser Feststellung kommen wir zum viel interessanten Aspekt dieser Veröffentlichung. In Zeiten von nicht Pest und Cholera, dafür aber Corona ein Live-Album zu veröffentlichen – das ist mindestens eine nostalgische, wenn nicht sogar sadistische Geste! Wer weiß, wie lange wir alle noch darauf verzichten müssen, auf Festivals oder zu Clubkonzerten gehen zu können? Auch die Jüngeren unter uns erinnern sich, da war was: In größeren bis großen Menschenansammlungen dicht an dicht schwitzen und – je nach Neigung – tanzen oder rumstehen und Bier trinken, während auf der Bühne – und nicht im Stream – die Musik gespielt wird! Ist es ein Ausdruck von Barmherzigkeit, dass uns Zement den Publikumsjubel zwischen den sechs instrumentalen Songs ihrer Live-Aufnahmen ersparen, denn die Geräuschkulisse freudetaumelnden, ekstatischen Jubels wäre gegenwärtig ja kaum zu ertragen? Wie dem auch sei, dieses Live-Album als Dokument des Lebens von zwei Menschen, die unter Umständen, die hoffentlich auch in nicht allzu ferner Zukunft gerne wieder als »normal« gelten dürfen, durch die Gegend fahren und ihre Instrumente aufbauen, um landauf, landab Fans und Freaks zu begeistern – eine schöne Sache. Musikalisch sowieso, aber eben auch sozial. Eine Erinnerung an und Hoffnung auf bessere Zeiten! Darauf ein Pils!