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Neither living nor dead, we could have died to see the world in bloom. Kammermusikalische Post-Apokalypse 2003. Da knistert der Geigerzähler aus dem Cembalo. Getragene Synthschwaden besaufen sich im Nebeldickicht. Und ein kleiner Gothic-Tor greint einsam von der verlorenen Welt, während die Sopranelfen aus jeder Mauerritze heulen. Willkommen im Schwarzland der düsteren Neo-Folklore. Kein Territorium, dem es an Geschmackentgleisungen und Pathosfahrern mangelt. Gerade das Zeltlinger Prophecy-Label, frisch berühmt für das deutsche Release des »Lords of Chaos«-Bestsellers, hat da die Nase vorn – auch bei schicksalsschwer gesenktem Haupt. Acts wie Narvaer, Of The Wand And The Moon und Tenhi kommen auch ohne Kinski-Rollen, SloMo-EBM und Runenschnickschnack aus. Mit ein Grund, sie nicht nur den mit farblosem Samt behängten Kinderzimmern der »Zillo«- und »Orkus«-Leserschaft zu überlassen. Die Industrial-Elegien des seit 1994 tätigen franko-österreichischen Projekts Elend sind aber eine Steakschnitte menschlicher Klangabgrund für sich. Hatte man sich nach einem fast über ein Jahrzehnt Arbeit an einer dreiteiligen Brachialliturgie fast aufgelöst, ergießt man sich jetzt in eine sagenhafte Wiedergeburt, die das Breitwandleiden von This Mortal Coil mit hintergründig schnaufendem Maschinenwerk und einer Stimme wie Ian Curtis als Frontmann für Dead Can Dance veredelt. Alas, der zartsüße Duft des Untergangs …

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Text
Paul Poet

Veröffentlichung
22.10.2003

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